Entwurfsverfasser Landschaftsarchitektur:
Maik Böhmer, Planorama Landschaftsarchitektur

Mitarbeiter: Katja Erke, Marion Guichard, Mareen Leek, Fabian Karle, Ulf Schrader, Thomas Lücke, Franziska Hofmann, Pamela Ackermann, Franziska Albrecht, Melanie Schlottau, Eckhard Siegert, Stephan Huber
Fachplaner/Bauleitung: Björnsen Beratende Ingenieure GmbH, Koblenz (Wasserbau/Hochwasserschutzmaßnahmen), Ingenieurbüro Winkler und Partner GmbH, Stuttgart (Wasserbau/Hochwasserschutzmaßnahmen), SFB Saradshow Fischedick Berlin Bauingenieure GmbH, Berlin (Tragwerksplanung Weihersteing, Stützwände), Ingenieurbüro Heller GmbH, Herrieden (Vermessung, Deponieabdeckung), KP Ingenieurgesellschaft für Wasser und Boden mbH, Gunzenhausen (Baugrundgutachten), Hütten & Paläste, Berlin (Aussichtspavillion LP1-3), Holzinger Eberl Fürhäusser Architekten, Ansbach (Aussichtspavillion LP5-8, Umnutzung Sägemühle), Geowissenschaftliches Büro Dr. Heimbucher GmbH, Nürnberg (Untersuchung Grundwasserstände), Just Statik GmbH, Gunzenhausen (Bauwerksgutachten), Baader Konzept GmbH, Gunzenhausen (FFH-Verträglichkeitsstudie)
am Bau beteiligte Firmen: Garten- und Landschaftsbau Fiedler GmbH & Co. KG, Großmehring (GaLA-Bau Teilbereich Klingenweiher, Festplatz, Gärten am Entengraben), Zäh Gartengestaltung & Co. KG, Wassertrüdingen (GaLa-Bau Teilbereich Wörnitz), Hubert Schmid Bauunternehmen GmbH, Marktoberdorf (Spezialtiefbau und Stahlbau Weihersteig), Metallverarbeitung André Taubert, Greiz (Spengler- und Metallbauarbeiten "Goldene Hülle" Weihersteig)
Auftraggeber/Bauherr: Gartenschau | Städtebauliche Maßnahmen: Natur in Wassertrüdingen 2019 GmbH, Verkehrsanlagen | Wohnmobilstellplatz: Stadt Wassertrüdingen
Bearbeitungszeitraum: 2015 - 2019
Fläche: 13,5 ha
Planungs-/Baukosten: 7,2 Mio. Euro



 Juryurteil:

Mit der Ausrichtung der Bayrischen Gartenschau 2019 eröffnete sich für die Stadt Wassertrüdingen die Möglichkeit, vorhandene Freianlagen nördlich und südlich der Altstadt zu qualifizieren und als attraktive Erholungsbereiche zu entwickeln. Daraus entstand ein überzeugendes Konzept, mit welchem der verbindende Flussraum der Wörnitz als ein prägendes Landschaftselement gestärkt wurde, gleichzeitig jedoch auch unverwechselbare Orte geschaffen wurden. Sowohl im Wörnitz- wie auch Klingenweiherpark wurden vorhandene landschaftliche Situationen geschickt genutzt, um eine Abfolge von unterschiedlich akzentuierten Freiräumen zu schaffen. Diese Balance zwischen Respekt vor dem Naturraum und der gewollten Inszenierung vorgefundener Situationen zeichnet das Projekt aus.

In besonderer Weise zeigt sich dieses Herangehen bei der Gestaltung des Klingenweiherparkes. Mit dem expressiv gestalteten „Weiherweg“ verbindet ein prägendes Element die sehr verschiedenen Räume und führt den Besucher durch landschaftliche Szenen. Der Weg beginnt als eine exzentrische „Seerose“ mitten im Wasser und führt dann in weiten Bewegungen nach Norden. Er berührt dabei immer wieder besondere Orte, wobei das Spiel mit Richtung und Raum wechselnde Konstellationen erzeugt. In eindrucksvollen Serpentinen wird dann schließlich der Berg der ehemaligen Erdstoffdeponie bezwungen. Dabei generiert das funktionelle Erfordernis einer barrierefreien Wegeführung eine prägnante Figur. In der „Bergrose“ findet das gewundene Band schließlich seinen dramatischen Endpunkt und öffnet den Blick in die Landschaft. Gekonnt wird das artifizielle Objekt in einen Kontrast zur rauen Oberfläche der Deponie gesetzt, die in einem dynamischen Entwicklungsprozess nun von der Natur zurückerobert wird.

Die Detailgestaltung des Weihersteges ist von einer ganz besonderen Prägnanz und Sorgfalt gekennzeichnet. Obwohl in einer Betonbauweise ausgeführt, strahlt er eine große Leichtigkeit aus, scheint förmlich in der Landschaft zu schweben. Auch hier greifen Funktion und Form ineinander, Lauffläche und Wegekante verschmelzen zu einem skulpturalen Objekt. Dieser fast unwirkliche Eindruck wird durch die teilweise aufgebrachte Metallhaut verstärkt. Ihr goldfarbener Schimmer glänzt im Sonnenlicht und verleiht den Orten eine märchenhafte Wirkung. So ist in bestem Sinne der Weg zum Ziel geworden – Wassertrüdingen ist eine Reise wert!

 

Projekterläuterung:

In der mittelfränkischen Stadt Wassertrüdingen, idyllisch am Fuße des Hesselbergs gelegen, wurde 2019 als bisher kleinste Gemeinde erfolgreich die Gartenschau ausgerichtet.
Die Stadt hat mit der Gartenschau 2019 und den daraus resultierenden Daueranlagen die Chance ergriffen, ihre Grün- und Erholungsstrukturen nachhaltig zu verbessern, den derzeit mangelnden Bezug zum Fluss zu stärken und ihre einmalige Lage an der Wörnitz herauszustellen.

Der Entwurf ist geprägt von zwei eigenständigen Teilbereichen, die sich deutlich in Anforderungen und landschaftlichem Kontext unterscheiden. Dem Wörnitzpark (ca. 56.600 m2), zwischen Altstadt und Wörnitzaue gelegen, und dem Landschaftspark Klingenweiher (ca. 70.700 m2) nördlich der Stadt.

In beiden Parks wird der namensgebende Bezug zum Wasser als bedeutende Standortqualität vielfältig erlebbar gemacht. Im Süden verändern die geplanten Maßnahmen für den Hochwasserschutz die historischen Stadtstrukturen im Übergang zum Naturraum der Flussauen. Im Norden erfordert die geplante Stadterweiterung eine Aufwertung des Grünzuges am Klingenweiher zum Naherholungsgebiet. Über ein durchgängiges Wegeband können Anwohner und Besucher vom Landschaftspark an der ehemaligen Erddeponie über die behutsam erschlossene Kette der Klingenweiher und die historische Altstadt zu den neu gestalteten Flächen in die Auwiesen der Wörnitz gelangen.

Der Landschaftspark Klingenweiher als Naherholungsgebiet liegt in direkter Nachbarschaft zu bestehenden und kommenden Wohngebieten und zielt auf eine Inszenierung der vorgefundenen, sehr reizvollen, Strukturen durch gelenkte Führung des Besuchers mit minimalem Eingriff in wertvollen Naturraum. Alle Parkteile werden vom Aussichtspunkt auf der Deponie im Norden bis zur Plattform im Weiher im Süden mit einem gestalteten Erlebnisweg - dem Weihersteig - zusammengeführt. Mit seiner expressiven Formensprache und der goldenen Hülle stellt der Weihersteig das wesentliche und verbindende Entwurfselement dar, das den Naturraum auf einzigartige Weise inszeniert, erschließt und erlebbar macht.

Vom Aussichtspunkt auf der ehemaligen Erddeponie, der Bergrose, schreitet man über den Weihersteig hinab in das bestehende Feuchtbiotop mit Teichen, üppigen Wildblumenwiesen, malerischen Baumhainen und vorbei an Streuobstwiesen. Der Steig taucht in die Weiherlandschaft ein und setzt sich an den Ufern, partiell über die Wasserfläche, fort. Kleine Aufweitungen geben Raum zum Rasten und Beobachten. Von hier führt der Weihersteig nach Süden auf eine kleine Plattform, der Seerose, die in der Mitte des südlichen Weihers angelegt ist. Der südliche Weiher wird umgestaltet, um im Süden eine großzügige Promenade als Auftakt zur Stadt zu erhalten. Der große Waldspielplatz bildet den Abschluss dieses Teilbereiches.

Die Gestaltung der Wörnitzaue nimmt alte Bezüge auf, um die neuen Elemente von Deich und Park scheinbar nahtlos in den historischen Übergang zwischen Stadt und Landschaft zu integrieren. Das die Stadtmauer begleitende, historische Gartenband bleibt prägend. Es wird mit neuen Parkflächen an der Stadtmauer und um den Mühlweiher bis zum neuen Stadtgarten an der Heubrücke fortgeführt und über eine Folge aus Wegen und kleinen Plätzen in Fortschreibung der Natursteinpflasterflächen der Altstadt als Ring geschlossen. Es entsteht eine großzügige Aufweitung des Deiches als Halbinsel, die das Verweilen am Wasser und den Übergang auf die andere Uferseite in die Auwiesen ermöglicht.

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