Entwurfsverfasser Landschaftsarchitektur:
Lohaus · Carl · Köhlmos PartGmbB Landschaftsarchitekten · Stadtplaner

Mitarbeiter: Anna Rudolph, Lina Kunze, Inga Zielonka, Ina Hofmann, Tobias Scholz
Fachplaner/Bauleitung: Schegk Landschaftsarchitekten, Baldauf Landschaftsarchitekten, Eger und Partner, Stief Landschaftsarchitektur, Cassian Schmidt, Maier Landschaftsarchitektur, Köln
am Bau beteiligte Firmen: Fa. Schmitt, Fa. Kranzfelder, Fa. Lechner, Fa. Piolka, Fa. Schneestern, Fa. Saule, Fa. HBW Höfle & Wohlrab
Auftraggeber/Bauherr: Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung und Immobilienbetreuung GmbH (AGS), Stadt Augsburg
Bearbeitungszeitraum: 2005 - 2021
Fläche: 35,3 ha



 Juryurteil:

Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte gewann Augsburg 60 Hektar Park hinzu. Die beiden wesentlichen Teile des neuen Westparks, der sich durch mehrere Stadtteile zieht, bilden der Sheridanpark und der Reesepark. Diese Parklandschaft verknüpft ein mäandrierendes Band: ein heller Weg, umspielt von Stauden, Gehölzen und Spielbereichen. Dieses flexible Band ermöglicht es, in seinem Verlauf auf den alten Baumbestand zu reagieren, der den Park wesentlich prägt. Ergänzt wurden die alten Bäume durch Arten, die durch ihre leuchtende Herbstfärbung ins Auge fallen. Mit viel Fingerspitzengefühl wird der Weg, der sich wie ein Fluss durch das Gelände zieht, zum Gestaltgeber der Pflanz-, Spiel- und Sportbereiche im Park. Er öffnet sich und weitet sich immer wieder und nimmt in seinen Zwischenräumen „Amerikanische Landschaften“ wie Präriestaudenflure, dichte Baumhaine oder unterschiedliche Aktionsbereiche auf. Dabei spielen die Landschaftsarchitekten auch gekonnt mit der Topografie und nehmen so Bezug auf die nahe Wertach-Aue. Die weiten Wiesenflächen werden nur zum Teil regelmäßig für Ballspiele gemäht, während weite Teile sich zu extensiven Blütenwiesen entwickeln. Durch die gestalterische Konzentration auf das Band weist der Park eine beeindruckende Dichte an Möglichkeiten zum Erforschen, Experimentieren und Erkunden für alle Altersgruppen auf und wird den unterschiedlichen Anforderungen an einen zukunftsfähigen Freiraum auf eine selbstverständliche Art und Weise gerecht, die ihresgleichen sucht.

Insbesondere auch durch seinen Planungsprozess leistet der Westpark einen weit über Augsburg hinaus bedeutsamen Beitrag für die Landschaftsarchitektur. Der Wettbewerb fand bereits 2005 statt. Das Grundgerüst des Parks aus Vegetation, Topografie und dem Mäander wurde abschnittsweise bereits vor der angrenzenden Bebauung realisiert, wobei „Leerstellen“ für künftige Spiel- und Nutzungsideen zeitversetzt und mit Beteiligung der neuen Bewohner*innen gefüllt wurden. Der lange Projektzeitraum erforderte daher, auf neue Trends zu reagieren und auch Zwischennutzungen, die sich in der Phase des Planungszeitraums verfestigten, einzubeziehen. Die Landschaftsarchitekten begleiteten über den langen Planungs- und Realisierungszeitraum hinweg auch die Pflege, Instandhaltung und Anpassung der Planung, sodass der Prozess über die Leistungsphase 9 hinausreicht. Durch diese Planung mit Szenarien, Beteiligung, Adaption und flexiblen Prozessen gibt der Park wichtige und zukunftsweisende Anregungen für die Landschaftsarchitektur.

 

Projekterläuterung:

HINTERGRUND
Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte 1998 bot sich für Augsburg die Chance, die Konversion der Kasernen für eine gesamträumliche Entwicklung des Augsburger Westens zu nutzen und das gesamtstädtische Grünraumsystem um einen mit der Wertachaue verknüpften Ring zu erweitern.
Aufbauend auf einem durch Wettbewerbe entwickelten städtebaulichen Grundgerüst wurde für den Westpark ein zweiphasiger internationaler Freiraumwettbewerb mit intensiver Bürgerbeteiligung ausgelobt, der 2005 entschieden wurde. Nach einem über 15-jährigen Planungs- und Realisierungsprozess wird der Westpark voraussichtlich im Jahr 2021 fertiggestellt sein.

AMERIKANISCHE LANDSCHAFTEN
Einem gemächlichen Fluss gleich liegt ein mäandrierendes Band inmitten einer baumbestandenen Parklandschaft. Es wechselt seine Breite, einzelne Bahnen driften auseinander und verbinden sich wieder zum Hauptweg durch den Park. Das Band, das durchgängig aus hellem Farbasphalt hergestellt ist, verknüpft die unterschiedlichen Raumfolgen und Sequenzen des neuen Nord-Süd-Grünzugs und wird zur Leitlinie durch alle Parkteile. Es nimmt seinen Ursprung an zwei noch nicht realisierten Plätzen an der Ulmer Straße und verbindet den Reesepark mit Sullivanpark, Westfriedhof, Sheridanpark und schließlich per Grünbrücke über die B17 hinweg mit dem ehemaligen Vehicle Park zu einem durchgängigen fast vier Kilometer langen und 60 ha großer Grünzug im Augsburger Westen.
Der Weg ist je nach Wahl der Schleife eine schnelle oder eine langsame, bummelnde Verbindung. Die schnellste und direkte Verbindung ist der zentrale Rad- und Fußweg, der auch als Skaterlinie mitgenutzt wird. Als breiteste befestigte Zone ist er innerhalb des Bandes gut ablesbar.

Die Zwischenräume sind besondere Orte mit Sport- und Spielanimationen und / oder besonderen Pflanzungen, die amerikanische Landschaftsausschnitte interpretieren: Felder mit blütenreichen Präriestauden, dichte Baumhaine oder topographische Verwerfungen, die auch Bezug zur Wertachaue nehmen, wechseln sich in unterschiedlichen Ausprägungen ab und laden zum Erforschen, Experimentieren und Erkunden des gesamten Parks ein. Im Reeseteil befindet sich beispielsweise der Landschaftsausschnitt „Table Mountains“, die als Bewegungsanimation für den gesamten am Markt verfügbaren Freizeitfuhrpark funktionieren – vom Laufrad über Rollerblades, Bikes und Skates bis zum Rollstuhl.

Die teilweise umfangreich vorhandenen, erhaltenswerten Bestandsbäume wurden in den Park integriert und mit nordamerikanischen, leuchtend rot, orange oder gelb färbenden Baumarten ergänzt. Die Ränder zur Bebauung sind einheitlich mit Baumreihen gefasst, die den Rahmen für die großzügige, offene, locker mit hochstämmigen Bäumen überstellte Graslandschaft schaffen. Teilweise wird diese regelmäßig gemäht und für Ballspiel und Sportflächen genutzt, während weite Teile nur zweimal im Jahr gemäht werden und sich zu extensiven, blüten- und insektenreichen Wiesen entwickeln, die auch als Ausgleichsflächen bzw. der ökologischen Vernetzung dienen.
In diese weite Graslandschaft sind die Relikte der Kasernen wie die Gebäude Chapel und Kommandantur im Sheridanteil sowie das Casino – heute Kulturhaus Abraxas – im Reeseteil integriert.

ENTWICKLUNG
Das Grundgerüst des Parks aus Vegetation, Topografie und Wegemäander wurden vor der angrenzenden baulichen Entwicklung abschnittsweise realisiert, jedoch mit „Leerstellen“ für zukünftige Spiel- und Nutzungsideen. Die Planung erfolgte zeitversetzt und mit Beteiligung der Bewohnerschaft. Die Parkentwicklung wurde über diesen langen Zeitraum auch in der Pflege, Instandhaltung und Adaption kontinuierlich begleitet. Es ist aus unserer Sicht ein nachhaltiger, zukunftsfähiger Planungsprozess, den es zu diskutieren lohnt:

  • Modelle zur Flexibilisierung von Planungsprozessen (Planungsbausteine – inkl. Pflege)
  • Adaptionsplanung: Fortführung des Planungsprozesses über die Lph 9 hinaus
  • Szenarienkultur statt Fehlerdiskussion
  • Fortführung der Beteiligung (Fachbeirat, örtliche Akteursgruppen, Ehrenamt)
  • Berücksichtigung von Adaptions- und Entwicklungsbudgets

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