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Baumkirchen Mitte

München

Baumkirchen Mitte – Ein neues Quartier entsteht

Auf dem 15 Hektar großen Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes München 4 in Berg am Laim entsteht seit 2013 das Stadtquartier „Baumkirchen Mitte“. Fast 70 Jahre lang wurden hier Lokomotiven und Güterwaggons rangiert und repariert. Nun bietet das Areal Raum für etwa 1.300 Einwohnerinnen und Einwohner, Arbeitsplätze, Einzelhandel und öffentliche Grünflächen.
Grundlage für das Bebauungsplanverfahren war ein 2010 von der Landeshauptstadt und CA Immo durchgeführter städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb, aus dem der Entwurf von Peter Ebner & Friends und von Mahl Gebhard Konzepte siegreich hervor ging. Die Freiflächen mit ihren integrierten Spielflächen sollen die Anwohner sowie Besucher zum Verweilen und Erholen einladen.

Der Bestand ein „hot spot“ der Biodiversität

Pflanzenwuchs auf aktiven Bahnflächen unterliegt permanenter Störungen. Fallen Bahnflächen aus der Nutzung, so regiert die Vegetation relativ rasch darauf. Deshalb sind die stillgelegten Gleisanlagen heute von mosaikartiger Vegetation geprägt und erhalten ihren eigenen Charme durch die offenen Ruderalflächen, die sich mit aufkommenden Birken und rahmenbildenden, älteren Gehölzen abwechseln.
Kurzum: Das Bahnbetriebswerk entwickelte sich durch die Stilllegung zu einer naturnahen Bahnbrache. Humusarme Substrate (z.B. Gleisschotter) speichern kaum Wasser und begünstigen dadurch schüttere Magerrasen. So ist hier ein „hot spot“ der Biodiversität entstanden, das dem Areal in Kombination mit der belassenen Gleisanlage eine besondere Identität verleiht. Mehrere geschützte Tierarten haben aufgrund der für sie idealen, trockenen und heißen Standortbedingungen und der Mischung aus lückiger, niedriger Vegetation und besonnten Säumen und Gebüschen einen Vorkommensschwerpunkt. Zahlreiche Insekten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke und die Blauflügelige Sandschrecke, aber auch kleine Wirbeltiere wie die Zauneidechse können auf der Vorrangfläche beobachtet werden - sie sind streng geschützt (§7 (2) 14, BNatSchG).

(Pflege)Konzept

Um diesen naturnahen Trockenstandort mit seiner hohen Artenvielfalt zu erhalten, wurde ein Pflege- und Entwicklungskonzept aufgestellt. Die Sukzession führt ohne weitere Pflege zu waldartigen Beständen, weshalb die immer wiederkehrende Zurücknahme des Gehölzaufwuchses und die Freihaltung geeigneter, besonnter Standorte wichtige Maßnahmen darstellen.
Im Bereich der Sukzessionsflächen wird das Totholz belassen, um Insekten und kleinen Wirbeltieren Unterschlupf zu bieten. Die Rohbodenrotation bietet nicht nur Reptilien wie der Zauneidechse einen idealen Standort um ihre Eier in die sandigen Böden zu legen.

Minimaler Eingriff - Monitoring und Erlebnispfad

Mittels aufwändigem Monitoring und eigens entwickelter Stege konnten naturschutzfachliche Belange eingehalten werden und dennoch die Fläche für Anwohner als naturnaher Erholungsraum barrierefrei erschlossen werden. Der enorme Höhenunterschied zwischen Wohnbebauung und ökologischer Vorrangfläche konnte mit Rampen ausgeglichen werden. Der Erlebnispfad im tieferliegende Gleisbereich ist auf der Westseite über Treppen und an der Ostseite durch eine barrierefreie Rampe erreichbar. Der aufgeständerte Weg führt vorbei an der historischen Eisenbahn-Drehscheibe, mit der früher Waggons und Lokomotiven bewegt wurden. Hier ist eine Tribüne entstanden, sodass die Lokdrehscheibe als Freilufttheater dienen kann.


ehemalige Lokdrehscheibe als Freilufttheater © Sonja Weber, mgk, 2020


Fußgängersteg, westlich © Sonja Weber, mgk, 2020


Luftbild © Marcus Hassler, mgk, 2020


Fußgängersteg, nördlich © Sonja Weber, mgk, 2020


Relikte © Sonja Weber, mgk, 2020


Oberfläche Steg © Sonja Weber, mgk, 2020


Gleisanlage © Marcus Hassler, mgk, 2020


Freilufttheater Draufsicht © Marcus Hassler, mgk, 2020


Sitzbereich © Sonja Weber, mgk, 2020


Lageplan © mgk, 2020


Entwurfsverfasser
Andrea Gebhard, mahl gebhard konzepte PartG mbB

Mitarbeiter
Mitarbeiter: Johannes Kruck, Cyril Dejonghe


Fachplaner / Bauleitung
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am Bau beteiligte Firmen
Gzimi Garten- und Landschaftsbau GmbH, Olching


Auftraggeber | Bauherr
CA Immo Deutschland GmbH

Bearbeitungszeitraum
2013-2019

Planungs- / Baukosten
KG 500: 5,035 Mio Euro