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St. Marienkirche am Alexanderplatz

Berlin

Die Marienkirche im Zentrum Ostberlins ist ein Relikt aus mittelalterlicher Zeit. Die Umgebung von Fernsehturmareal, Plattenbauten und Magistralen bedrängen sie von allen Seiten. Über die Jahrhunderte wuchs das Bodenniveau in die Höhe. Die Neugestaltung des Umfeldes verschafft der Marienkirche eine ruhige Atmosphäre in der lebendigen Umgebung.
Der Baukörper liegt heute in einer aufgeweiteten Platzfläche. Fein schneidet sich das Areal in die Tiefe und definiert schützenden Abstand zur heterogenen Umgebung. Klinkermauern und Treppen begrenzen den Kirchenort und fangen die Höhenunterschiede auf. Die neuen Mauern bilden durch skulpturale Vor- und Rücksprünge Sitzbänke, die in ihren Proportionen an Kirchengestühl erinnern.

Geschichte und Bestand bis 2012
Die Marienkirche in Berlin-Mitte ist die älteste noch sakral genutzte Kirche in Berlin. Die Grundmauern der Kirche sind im 13. Jahrhundert aus Findlingen erbaut, darüber wurde eine Hallenkirche im Stil der märkischen Backsteingotik errichtet. Die Kirche stand bis um die Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunderts innerhalb einer geschlossenen Blockbebauung. Im 2. Weltkrieg wurde die Bebauung stark zerstört und nach Kriegsende die Gebäudereste sukzessive abgetragen.
In den 1960er Jahren wurde durch die Stadtplanung der DDR der Stadtgrundriss im Marienviertel komplett verändert. Bei der Neuplanung des Areals am Fernsehturm wurde das historische Geländeniveau mit Trümmerschutt um 1,00m bis 1,50m erhöht. Nur im engsten Umfeld der Marienkirche blieb die ursprüngliche Geländehöhe des mittelalterlichen Stadtkerns. Eingangsbereiche und Sockel der Kirche verschwanden aus dem Blickfeld des Betrachters, das Gebäude wirkte wie „eingegraben“. Ungeordnete Strauchpflanzungen und marode Mauern der veralteten Freiflächen betonten diesen Charakter der Vernachlässigung und verstärkten Schäden am Mauerwerk.

Festlegung der Planungsgrenzen
Da die künftige Entwicklung der alten Mitte Berlins sowohl zeitlich als auch inhaltlich noch ungewiss ist, wurde für die notwendige Verbesserung des Umfeldes der Marienkirche ein enger Bearbeitungsrahmen gesteckt, welcher die vorhandenen Strukturen respektiert: im Norden der Gehweg der Karl-Liebknecht-Straße, im Süden die vorhandene Ahornallee und im Osten die neuangelegten Flächen im Zuge der Sanierung Freiflächen am Fernsehturm. Westlich wird das Baumtrapez in die planerische Betrachtung einbezogen.

Die Neugestaltung
Die neuen Freiflächen im Umfeld der Marienkirche geben dem Kirchenbauwerk auch im Hinblick auf seine historische städtebauliche Bedeutung mehr „Raum“. Spuren der historischen Bebauung werden sichtbar. Die Übergänge vom vertikalen Baukörper zur horizontalen historischen Platzfläche sind wieder erlebbar. Die Kirchenfläche hat einen großzügigen Rahmen erhalten, welcher die notwendigen Höhennivellierungen aufnimmt und ihr einen eigenen Ort gibt.
Im Rahmen der Umfelderneuerung kam es im westlichen Bereich der Kirche zu Grabungsarbeiten über der historischen Blockbebauung. Die dabei freigelegten Grundmauern der Gebäude wurden bis auf die mittelalterliche Schicht erkundet und archäologisch dokumentiert. Nach Verfüllung der historischen Keller wurden die Grundrisse der Blockbebauung auf dem Pflasterbelag mit Klinkerbändern und farbig sortierten Pflastersteinen markiert.
Das seit 1989 an der Nordseite der Kirche platzierte Lutherdenkmal konnte an seinen ursprünglichen Standort von 1895 auf dem ehemaligen „Neuen Markt“ an der heutigen Karl-Liebknecht-Straße zurückgesetzt werden.


Sockel und Eingänge sind wieder gut sichtbar und zugänglich © Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, 2017


Richtung Neptunbrunnen hebt sich der Platz sanft auf das Niveau des Rathausforums © Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, 2016


Lageplan Umfeld St. Marienkirche © Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, 2015


Die verwendeten Materialien nehmen Bezug auf den mittelalterlichen Sakralbau: Der Bodenbelag besteht aus gebrauchtem und handwerklich überarbeiteten Granitgroßpflaster, Teile der Traufkante sind aus vorgefundenem Material wiedereingebaut © Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, 2017


Treppen und Klinkermauer sind aus handgeformten, kohlegebrannten Steinen in verschiedenen Farbnuancen hergestellt © Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, 2017


Das von uns entwickelte bronzende Stadtmodell zeigt die dichte historische Bebauung bis ca. 1875 © Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, 2017


Verschwundene Bauten wurden durch intensive archäologische Grabungen verifiziert © Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, 2017


Klinkerbänder zeichnen den historischen Stadtgrundriss nach © Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, 2017


Infostelen erklären die interessante und wechselhafte Geschichte des Ortes © Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, 2017


Das neue Umfeld gibt der Kirche einen würdevollen, schützenden Rahmen © Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, 2017


Entwurfsverfasser
Levin Monsigny Landschaftsarchitekten GmbH

Mitarbeiter
Martina Levin
Rob Grotewal
Bernd Rengers


Fachplaner / Bauleitung
Glaßer und Dagenbach GbR

am Bau beteiligte Firmen
Otto Kittel GmbH & Co


Auftraggeber | Bauherr
Bezirksamt Mitte von Berlin für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Bearbeitungszeitraum
2013-2016

Planungs- / Baukosten