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Landesgartenschau 2020 - Zechenpark / Quartiersplatz / Kloster Kamp

Kamp-Lintfort

LEITMOTIVE
Kamp-Lintforts städtebauliche Struktur ist überwiegend durch den Verlauf und die Topografie des Flusses Große Goorley geprägt. Ausnahmen bilden das Kloster Kamp und die Zeche Friedrich-Heinrich, die beide jeweils eigenständige orthogonale Ordnungsgefüge etablieren. Im Laufe der Verstädterung von Kamp-Lintfort bleibt der Fluss als grünes Rückgrat erhalten. Er bildet die Grenze zwischen Zechenareal und Bergarbeitersiedlung.

Nach der Aufgabe der Zechennutzung wandelt sich die Stadt: Mit dem Abbruch der Zechengebäude, der massiven Entsiegelung des gesamten Areals und der Renaturierung der Großen Goorley entsteht ein ausgedehnter Park (19,8 ha). Er bildet die grüne Stadtmitte, ergänzt von baumbestandener Promenade und Plätzen (770 gepflanzte Bäume ) - Austragungsort der Landesgartenschau 2020 in NRW.

Anknüpfungspunkte für das Entwurfskonzept sind eine stärkere Verknüpfung zwischen der Großen Goorley als durchlaufendes grünes Rückgrat und den angrenzenden Stadtquartieren sowie eine Akzentuierung des Kontrasts zwischen den landschaftsgeprägten und orthogonalen Ordnungssystemen Kamp-Lintforts.

ZECHENPARK
Die Parkfläche ist geformt durch den Verlauf der Großen Goorley. Dagegen entwickelt sich das geplante Zechenquartier linear und öffnet sich über orthogonal eingefügte Einschnitte und Fugen zum angrenzenden Park. Dieser Kontrast wird für den Entwurf des Zechenparks und für die Freiräume des Stadtquartiers aufgegriffen und betont:
- Prägend für den Zechenpark sind die langgestreckten Bögen des Flussverlaufs. Die Modellierung des Landschaftsbauwerks, der Gehölzsaum entlang der Großen Goorley sowie die Wegeführung im Park ordnen sich diesem Motiv unter.
- Dagegen betonen Promenade, Stadtloggien und Plätze entlang der Parkkante das orthogonale Ordnungsgefüge des Zechenquartiers.

Der Zechenpark bildet einen wichtigen Baustein im Stadtgefüge. Mit der ab 2020 möglichen Öffnung des Areals werden die angrenzenden Quartiere sowie das Stadtzentrum Kamp-Lintfort wieder stärker miteinander verbunden.

Drei unterschiedliche Wegetypen leisten dies:
- Quartierspromenade: Die nordwestliche Parkseite wird durch die gerade geführte Quartierspromenade begleitet. Sie betont den Übergang zwischen dem neuem Zechenquartier und Park.
- Goorleyweg und Passpfade: Die östliche Parkkante wird durch den in einer Kurve geführten Weg entlang der Großen Goorley eingefasst. Parallel dazu wird das Landschaftsbauwerk durch zwei Passpfade erschlossen.
- Querungen: Sie dienen als kurze und direkte Verbindungen in Ost-Westrichtung zwischen Zechenquartier und den angrenzenden Stadtteilen.

QUARTIERSPLATZ
Im Zentrum des geplanten Quartiers liegt als identitätsstiftender Freiraum der Quartiersplatz. Durch die beiden sehr hohen Fördertürme und seine große Fläche erinnert der Platz an die Geschichte des Ortes und die Ausdehnung der früheren Nutzung. Er fungiert als Vermittler zwischen Park und Quartier mit seinem Hain aus Großbäumen und dem hohen Anteil an offenen, sich begrünenden Schotterflächen. In unterschiedliche Zonen gegliedert, erlaubt er klassische Platznutzungen, bietet besondere Aufenthaltsqualitäten unter Baumschatten und an Staudenbändern und regt zur Erholung am Wasserspiel an - ein besonderes Element: Das flächige Wasserspiel ist in den Platzbelag ebenerdig integriert. Für dessen Gestaltung wird die am Ort charakteristische Schichtung von Sedimenten in ein Relief mit einer Schichtung aus flachen Kaskaden übersetzt. Damit entsteht einerseits ein interessanter, bewegter Wasserfluss. Andererseits bietet das langsamer abfließende Wasser mehr Präsenz, Erlebnisqualität und Bespielbarkeit.

KLOSTER KAMP / PARADIESGÄRTEN
Das Klosterareal bleibt in seiner bestehenden historischen Form erhalten. Punktuelle Interventionen verbessern dabei die Aufenthaltsqualität. Eine überarbeitete und barrierefreie Wegeführung verbessert die Verbindung zwischen Wandelweg und den verschiedenen Klostergärten. Ergänzend laden drei neue Paradiesgärten mit Staudenbeeten und Wasserspiegel zum Verweilen.


Gesamtplan, Konzept Landesgartenschau M 1:2000 / Lageplan Zechenareal, Dauernutzung M 1:1000 © bbzl böhm benfer zahiri, 2017


Blick auf das Fördergerüst Schacht 2 / Staudenpflanzung auf dem Quartiersplatz und offene Platzbereiche © Hanns Joosten, Studio Hanns Joosten, 2020


Belagsflächen auf dem Quartiersplatz. Wechsel aus offenen und geschlossenen Flächen / Blick über den Quartiersplatz auf den Förderturm Schacht 1 © Hanns Joosten, , Studio Hanns Joosten / bbzl böhm benfer zahiri, 2020


Bündig in die Quartiersplatzfläche integriert sind zwei Felder mit Wasserspiel. Das abwechslungsreiche Relief bietet auch ohne Brunnenbetrieb ein interessantes Bild © Hanns Joosten, Studio Hanns Joosten, 2020


unterschiedliche Wasserbilder bieten Anreize zum Spielen © Hanns Joosten, Studio Hanns Joosten, 2020


Blick vom Kloster Kamp auf die Paradiesgärten und die Stadtsilhouette Kamp-Lintforts © Hanns Joosten, Studio Hanns Joosten, 2020


Wassertisch im Garten ‚Himmel‘ © bbzl böhm benfer zahiri, 2020


Blick über die Paradiesgärten auf das Kloster Kamp © Hanns Joosten, Studio Hanns Joosten, 2020


Offene und geschlossene Flächen auf dem Quartiersplatz. Belagsbänder rahmen die offenen Flächen © bbzl böhm benfer zahiri, 2020


Übergang von der Promenade zum Zechenpark. Ein Sitzelement begleitet die Querung © Hanns Joosten, Studio Hanns Joosten, 2020


Entwurfsverfasser
Ulrike Böhm, Katja Benfer, Cyrus Zahiri, bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau

Mitarbeiter
Anna Vogels, Kerstin Paul, Tim Wildner, Piroska Szabó, Thomas Reimann, Milan von Moeller, Camille Régimbart, Rita Leal


Fachplaner / Bauleitung
RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Stoellger Liehr Partnerschaft
Orel + Heidrich Landschaftsarchitekten
ifw-Ingenieurbüro für Wassertechnik
licht raum stadt planung gmbh
Ingenieurbüro Rüdiger Jockwer GmbH
Ingenieurbüro Gregor Barth

am Bau beteiligte Firmen
THK Frei- und Verkehrsanlagen
A. Frauenrath GmbH
Vornholt GmbH
Knappmann GmbH & Co.
Dieter Berg GmbH
Aenstoots Garten- und Landschaftsbau


Auftraggeber | Bauherr
Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 GmbH

Bearbeitungszeitraum
2017 - 2020

Planungs- / Baukosten
14,7 Mio Euro netto