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Westpark

Augsburg

HINTERGRUND
Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte 1998 bot sich für Augsburg die Chance, die Konversion der Kasernen für eine gesamträumliche Entwicklung des Augsburger Westens zu nutzen und das gesamtstädtische Grünraumsystem um einen mit der Wertachaue verknüpften Ring zu erweitern.
Aufbauend auf einem durch Wettbewerbe entwickelten städtebaulichen Grundgerüst wurde für den Westpark ein zweiphasiger internationaler Freiraumwettbewerb mit intensiver Bürgerbeteiligung ausgelobt, der 2005 entschieden wurde. Nach einem über 15-jährigen Planungs- und Realisierungsprozess wird der Westpark voraussichtlich im Jahr 2021 fertiggestellt sein.

AMERIKANISCHE LANDSCHAFTEN
Einem gemächlichen Fluss gleich liegt ein mäandrierendes Band inmitten einer baumbestandenen Parklandschaft. Es wechselt seine Breite, einzelne Bahnen driften auseinander und verbinden sich wieder zum Hauptweg durch den Park. Das Band, das durchgängig aus hellem Farbasphalt hergestellt ist, verknüpft die unterschiedlichen Raumfolgen und Sequenzen des neuen Nord-Süd-Grünzugs und wird zur Leitlinie durch alle Parkteile. Es nimmt seinen Ursprung an zwei noch nicht realisierten Plätzen an der Ulmer Straße und verbindet den Reesepark mit Sullivanpark, Westfriedhof, Sheridanpark und schließlich per Grünbrücke über die B17 hinweg mit dem ehemaligen Vehicle Park zu einem durchgängigen fast vier Kilometer langen und 60 ha großer Grünzug im Augsburger Westen.
Der Weg ist je nach Wahl der Schleife eine schnelle oder eine langsame, bummelnde Verbindung. Die schnellste und direkte Verbindung ist der zentrale Rad- und Fußweg, der auch als Skaterlinie mitgenutzt wird. Als breiteste befestigte Zone ist er innerhalb des Bandes gut ablesbar.

Die Zwischenräume sind besondere Orte mit Sport- und Spielanimationen und / oder besonderen Pflanzungen, die amerikanische Landschaftsausschnitte interpretieren: Felder mit blütenreichen Präriestauden, dichte Baumhaine oder topographische Verwerfungen, die auch Bezug zur Wertachaue nehmen, wechseln sich in unterschiedlichen Ausprägungen ab und laden zum Erforschen, Experimentieren und Erkunden des gesamten Parks ein. Im Reeseteil befindet sich beispielsweise der Landschaftsausschnitt „Table Mountains“, die als Bewegungsanimation für den gesamten am Markt verfügbaren Freizeitfuhrpark funktionieren – vom Laufrad über Rollerblades, Bikes und Skates bis zum Rollstuhl.

Die teilweise umfangreich vorhandenen, erhaltenswerten Bestandsbäume wurden in den Park integriert und mit nordamerikanischen, leuchtend rot, orange oder gelb färbenden Baumarten ergänzt. Die Ränder zur Bebauung sind einheitlich mit Baumreihen gefasst, die den Rahmen für die großzügige, offene, locker mit hochstämmigen Bäumen überstellte Graslandschaft schaffen. Teilweise wird diese regelmäßig gemäht und für Ballspiel und Sportflächen genutzt, während weite Teile nur zweimal im Jahr gemäht werden und sich zu extensiven, blüten- und insektenreichen Wiesen entwickeln, die auch als Ausgleichsflächen bzw. der ökologischen Vernetzung dienen.
In diese weite Graslandschaft sind die Relikte der Kasernen wie die Gebäude Chapel und Kommandantur im Sheridanteil sowie das Casino – heute Kulturhaus Abraxas – im Reeseteil integriert.

ENTWICKLUNG
Das Grundgerüst des Parks aus Vegetation, Topografie und Wegemäander wurden vor der angrenzenden baulichen Entwicklung abschnittsweise realisiert, jedoch mit „Leerstellen“ für zukünftige Spiel- und Nutzungsideen. Die Planung erfolgte zeitversetzt und mit Beteiligung der Bewohnerschaft. Die Parkentwicklung wurde über diesen langen Zeitraum auch in der Pflege, Instandhaltung und Adaption kontinuierlich begleitet. Es ist aus unserer Sicht ein nachhaltiger, zukunftsfähiger Planungsprozess, den es zu diskutieren lohnt:
• Modelle zur Flexibilisierung von Planungsprozessen (Planungsbausteine – inkl. Pflege)
• Adaptionsplanung: Fortführung des Planungsprozesses über die Lph 9 hinaus
• Szenarienkultur statt Fehlerdiskussion
• Fortführung der Beteiligung (Fachbeirat, örtliche Akteursgruppen, Ehrenamt)
• Berücksichtigung von Adaptions- und Entwicklungsbudgets


Gesamtplan Westpark © Lohaus · Carl · Köhlmos, 2008


Weite amerikanische Landschaften © Eckhart Matthäus, 2017


Wegemäander durch den Westpark © Eckhart Matthäus, 2020


Markante Baumhaine als Blickfang - Goldrobinien- und Lärchenhain © Peter Carl, 2016


Dichte Haine als Spielanimation © Eckhart Matthäus, 2017


Mähbare insektenfreundliche Blütenwiesen © Eckhart Matthäus, 2017


Blütenreiche Präriewiesen vor dem Auenwaldspielplatz © Eckhart Matthäus, 2017


Sportinsel im Reesepark © Eckhart Matthäus, 2019


"Table Mountains" im Reesepark © Eckhart Matthäus, 2019


Goldschürferspielplatz im Sheridanpark © Eckhart Matthäus, 2017


Entwurfsverfasser
Irene Lohaus, Peter Carl | Lohaus · Carl · Köhlmos PartGmbB Landschaftsarchitekten · Stadtplaner

Mitarbeiter
Anna Rudolph
Lina Kunze
Inga Zielonka
Ina Hofmann


Fachplaner / Bauleitung
Schegk Landschaftsarchitekten
Baldauf Landschaftsarchitekten
Eger und Partner
Stief Landschaftsarchitektur
Cassian Schmidt

am Bau beteiligte Firmen
Fa. Schmitt
Fa. Kranzfelder
Fa. Lechner
Fa. Piolka
Fa. Schneestern
Fa. Saule
Fa. HBW Höfle & Wohlrab


Auftraggeber | Bauherr
Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung und Immobilienbetreuung GmbH (AGS), Stadt Augsburg

Bearbeitungszeitraum
2005-dato

Planungs- / Baukosten