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Freie Waldorfschule am Prenzlauer Berg

Berlin

Die Außenanlagen der Freien Waldorfschule am Prenzlauer Berg wurden als nachhaltiger und klimaangepasster Schulaußenraum entwickelt. Als Gegenstück zu standardisiert stark versiegelten Schulfreiflächen entstand ein klimaangepasster Außenraum der spielerisch zu erleben ist und die Chance nutzt ein Verständnis von natürlichen Zusammenhängen zu vermitteln.

Klimaangepasste & nachhaltige Gestaltung
Ein Spiel mit den Kontrasten zwischen naturhaftem Freiraum und urbanen Funktionsbereichen zieht sich durch die Gestaltung aller Bereiche, durch alle Maßstäbe und Materialien. Hart neben weich, rau neben glatt. Um sensible Bereiche zu schützen, wurden angrenzende Räume umso intensiver und nutzungsorientierter gestaltet. Ein nachhaltiger und ökologischer Ansatz für die Gestaltung hat sich wie selbstverständlich aus der Überlagerung der Ideen eines klimaangepassten Freiraums und der Waldorfpädagogik ergeben. Die versiegelte Fläche wurde auf ein Minimum reduziert, Regenwasser wird zum spielerischen und gestalterischen Element, die Wiese darf wachsen und die Wildhecke piksen. Verdunstungsflächen bringen Kühle auf den Schulhof. Ausnahmslos alle Bestandsgehölze wurden als Schattenspender erhalten, die Planung wurde eingepasst. Naturerlebnis- und -verständnis als pädagogisches Lehrziel wurden bereits in der Planungsphase berücksichtigt. Systemische Zusammenhänge, der Umgang mit Regenwasser als natürliche Ressource, die Veränderung des Freiraums mit den Jahreszeiten und Alterungsprozesse werden bewusst ausgearbeitet und sichtbar gemacht. Das Regenwasser wird als gestalterisches Element in die Planung integriert. Dezentrale Versickerungsmulden erzeugen eine räumliche Kleinteiligkeit und durch ihre intensive Bepflanzung unterschiedlichste Atmosphären. Großblättrige Stauden, zurückhaltende Bodendecker und Blütenwiesen wechseln sich ab. Andere Versickerungsmulden werden zum robusten Spielraum. Die nachhaltige Pflanzenwahl von alten Obstbaumsorten über klimaresiliente, autochthone Wiesenansaaten und essbare Wildhecken entsprechen ebenso dem pädagogischen Grundgedanken.

Multifunktionale Pausenfläche
Der Freiraum wird zum Gemeinschaftsort für alle Altersstufen - während der Unterrichtszeit, in den Pausenzeiten und auch außerhalb der Schulzeit. Neben großen, multifunktionalen Flächen stehen vielfältige, kleinteilige Freiräume für Unterricht im Freien - für Musik, Werken, Kunst und Gartenbau - zur Verfügung. Die Gestaltung und Programmatik der unterschiedlichen Bereiche wurden teilweise in Schülerworkshops erarbeitet und auch praktisch im Werkunterricht umgesetzt. So entstanden in einer gemeinsamen Anstrengung aus Abbruchsteinen gemauerte Einfassungen und Sitzmauern.

Grüner Werkhof
Mit der Sanierung des alten Plattenbaus erhielt das Souterrain mit den Werk-, Kunst- und Gartenbauräumen neue Ausgänge zum Schulhof. Die Böschung schwingt weich zurück und erzeugt einen großzügigen Werkhof als vorgelagerten Arbeitsraum. Sitzmauern aus Stampfbeton zeichnen mehreren Ebenen in den entstehenden Hang und machen diesen für Aufenthalt, Spiel oder als Bühne für Aufführungen im Hofbereich nutzbar. Der Werkhof selbst stellt sich versickerungsfähig als einheitliche Kiesfläche dar, die Arbeitsbereiche sind als vier unterschiedlich große Ortbeton-Linsen eingezeichnet. Die Versickerungsmulden werden zu grünen Oasen zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen.

Garten- und Sportbereich
Das neue Ballspielfeld schiebt sich auf der straßenzugewandten Gebäudeseite unter die Bestandsbäume, der Ballfangzaun passt sich in seiner Höhenentwicklung ein. Calisthenics und ein zum Souterrain abgesenkter Bereich mit Sitzmauern und einer Tischtennisplatte ergänzen die Bewegungsangebote. Eine neue Wildhecke mit essbaren Früchten und als Lebensraum für Stadttiere grenzt den grünen Schulfreiraum semitransparent zur Nachbarschaft ab.


Unversiegelt und Grün - ein klimaangepasster und schulgerechter Freiraum. © Paul Giencke, GM013 Landschaftsarchitektur, 2020


Der unversiegelte Pausenhof als multifunktionale Bewegungsfläche, Ruhe- und Austausch am Rand. Sitzelemente wurden gemeinsam mit den Schülern entwickelt und gebaut. © Paul Giencke, GM013 Landschaftsarchitektur, 2020


Werkhof mit Sitzstufen - Bildhauer und Schauspieler. © Paul Giencke, GM013 Landschaftsarchitektur, 2020


Rau neben glatt. Eine bepflanzte Versickerungsmulde fasst eine Werkinsel aus Ortbeton ein. © Paul Giencke, GM013 Landschaftsarchitektur, 2020


Alt neben neu. Grüne Schulterrassen erweitern die Klassenräume. © Paul Giencke, GM013 Landschaftsarchitektur, 2020


Blühende Versickerungsmulde als Sichtbarmachung von Regenwasser. © Paul Giencke, GM013 Landschaftsarchitektur, 2020


Dezentrale Versickerungsmulde in einer Freiraumnische. Die angepasste Schattenpflanzung bringt Grün in den Senkbereich. © Paul Giencke, GM013 Landschaftsarchitektur, 2020


Neben den Versickerungsmulden wurden auch die Bewegungsflächen zu einem Großteil unversiegelt hergestellt. © Paul Giencke, GM013 Landschaftsarchitektur, 2020


Der nördliche Schulhof passt sich als grüner Freiraum unter die Bestandsbäume ein. © Lukas Butzer, GM013 Landschaftsarchitektur, 2020


An die Baumstandorte angepasste Stampfbetonmauern erzeugen Sport- und Aufenthaltsbereiche. © Lukas Butzer, GM013 Landschaftsarchitektur, 2020


Entwurfsverfasser
Paul Giencke, GM013 Landschaftsarchitektur

Mitarbeiter
Mitarbeiter: Lukas Butzer, Martin auf der Lake, Rubin Ries


Fachplaner / Bauleitung
GM013 Landschaftsarchitektur

am Bau beteiligte Firmen
Michael Schob
Garten- und Landschaftsbau GmbH & Co. KG
Renzstraße 9
14656 Brieselang

Riedel Sportstätten- und Landschaftsbau GmbH
Liebermannstraße 82
13088 Berlin


Auftraggeber | Bauherr
Förderverein Schulemachen e.V.
Gürtelstraße 16
10409 Berlin

Bearbeitungszeitraum
2017 – 2020

Planungs- / Baukosten
668.500€