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Natur in Wassertrüdingen

Wassertrüdingen

In der mittelfränkischen Stadt Wassertrüdingen, idyllisch am Fuße des Hesselbergs gelegen, wurde 2019 als bisher kleinste Gemeinde erfolgreich die Gartenschau ausgerichtet.
Die Stadt hat mit der Gartenschau 2019 und den daraus resultierenden Daueranlagen die Chance ergriffen, ihre Grün- und Erholungsstrukturen nachhaltig zu verbessern, den derzeit mangelnden Bezug zum Fluss zu stärken und ihre einmalige Lage an der Wörnitz herauszustellen.

Der Entwurf ist geprägt von zwei eigenständigen Teilbereichen, die sich deutlich in Anforderungen und landschaftlichem Kontext unterscheiden. Dem Wörnitzpark (ca. 56.600 m2), zwischen Altstadt und Wörnitzaue gelegen, und dem Landschaftspark Klingenweiher (ca. 70.700 m2) nördlich der Stadt.

In beiden Parks wird der namensgebende Bezug zum Wasser als bedeutende Standortqualität vielfältig erlebbar gemacht. Im Süden verändern die geplanten Maßnahmen für den Hochwasserschutz die historischen Stadtstrukturen im Übergang zum Naturraum der Flussauen. Im Norden erfordert die geplante Stadterweiterung eine Aufwertung des Grünzuges am Klingenweiher zum Naherholungsgebiet. Über ein durchgängiges Wegeband können Anwohner und Besucher vom Landschaftspark an der ehemaligen Erddeponie über die behutsam erschlossene Kette der Klingenweiher und die historische Altstadt zu den neu gestalteten Flächen in die Auwiesen der Wörnitz gelangen.

Der Landschaftspark Klingenweiher als Naherholungsgebiet liegt in direkter Nachbarschaft zu bestehenden und kommenden Wohngebieten und zielt auf eine Inszenierung der vorgefundenen, sehr reizvollen, Strukturen durch gelenkte Führung des Besuchers mit minimalem Eingriff in wertvollen Naturraum. Alle Parkteile werden vom Aussichtspunkt auf der Deponie im Norden bis zur Plattform im Weiher im Süden mit einem gestalteten Erlebnisweg - dem Weihersteig - zusammengeführt. Mit seiner expressiven Formensprache und der goldenen Hülle stellt der Weihersteig das wesentliche und verbindende Entwurfselement dar, das den Naturraum auf einzigartige Weise inszeniert, erschließt und erlebbar macht.

Vom Aussichtspunkt auf der ehemaligen Erddeponie, der Bergrose, schreitet man über den Weihersteig hinab in das bestehende Feuchtbiotop mit Teichen, üppigen Wildblumenwiesen, malerischen Baumhainen und vorbei an Streuobstwiesen. Der Steig taucht in die Weiherlandschaft ein und setzt sich an den Ufern, partiell über die Wasserfläche, fort. Kleine Aufweitungen geben Raum zum Rasten und Beobachten. Von hier führt der Weihersteig nach Süden auf eine kleine Plattform, der Seerose, die in der Mitte des südlichen Weihers angelegt ist. Der südliche Weiher wird umgestaltet, um im Süden eine großzügige Promenade als Auftakt zur Stadt zu erhalten. Der große Waldspielplatz bildet den Abschluss dieses Teilbereiches.

Die Gestaltung der Wörnitzaue nimmt alte Bezüge auf, um die neuen Elemente von Deich und Park scheinbar nahtlos in den historischen Übergang zwischen Stadt und Landschaft zu integrieren. Das die Stadtmauer begleitende, historische Gartenband bleibt prägend. Es wird mit neuen Parkflächen an der Stadtmauer und um den Mühlweiher bis zum neuen Stadtgarten an der Heubrücke fortgeführt und über eine Folge aus Wegen und kleinen Plätzen in Fortschreibung der Natursteinpflasterflächen der Altstadt als Ring geschlossen. Es entsteht eine großzügige Aufweitung des Deiches als Halbinsel, die das Verweilen am Wasser und den Übergang auf die andere Uferseite in die Auwiesen ermöglicht.


Klingenweiherpark | Der Weihersteig schlängelt sich in expressiver Formensprache die ehem. Deponie hinauf bis zu seinem nördlichen Ende, der "Bergrose" © Hanns Joosten, Planorama Landschaftsarchitektur, 2019


Klingenweiherpark | Detail Weihersteig mit Blick über die Deponie zum Aussichtspunkt "Bergrose" © Hanns Joosten, Planorama Landschaftsarchitektur, 2019


Klingenweiherpark | Die kaum berührte Landschaft um die Klingenweiher wird durch den Weihersteig besonders sicht- und erlebbar © Hanns Joosten, Planorama Landschaftsarchitektur, 2019


Klingenweiherpark | Der Steig formt sich über den Weihern zu Brücken und ermöglicht immer wieder verschiedene Blickpunkte auf die ursprüngliche Natur und den in der Sonne glitzernden Steig © Hanns Joosten, Planorama Landschaftsarchitektur, 2019


Klingenweiherpark | Im Süden des Parks schwebt der Weihersteig als goldene Plattform, der "Seerose", auf der Oberfläche des größten Weihers und bildet so den südlichen Abschluss des Steigs © Hanns Joosten, Planorama Landschaftsarchitektur, 2019


Klingenweiherpark | Die "Seerose" im Detail © Hanns Joosten, Planorama Landschaftsarchitektur, 2019


Klingenweiherpark | Lageplan © Planorama Landschaftsarchitektur, 2019


Wörnitzauenpark | Blick auf den Deich (links) und auf den Mühlweiher mit der "Alten Säge" und dem markanten Hesselberg im Hintergrund © Hanns Joosten, Planorama Landschaftsarchitektur, 2019


Wörnitzauenpark | Die Wörnitz wird durch ihren neuen Verlauf an der Fischtreppe entlang der Halbinsel mit individuell entworfenem Spielgerät erlebbar © Hanns Joosten, Planorama Landschaftsarchitektur, 2019


Wörnitzauenpark | Lageplan © Planorama Landschaftsarchitektur, 2019


Entwurfsverfasser
Maik Böhmer, Planorama Landschaftsarchitektur

Mitarbeiter
Katja Erke
Marion Guichard
Mareen Leek
Fabian Karle
Ulf Schrader
Thomas Lücke
Franziska Hofmann
Pamela Ackermann
Franziska Albrecht
Melanie Schlottau
Eckhard Siegert
Stephan Huber


Fachplaner / Bauleitung
Björnsen Beratende Ingenieure GmbH, Koblenz (Wasserbau/Hochwasserschutzmaßnahmen)
Ingenieurbüro Winkler und Partner GmbH, Stuttgart (Wasserbau/Hochwasserschutzmaßnahmen)
SFB Saradshow Fischedick Berlin Bauingenieure GmbH, Berlin (Tragwerksplanung Weihersteing, Stützwände)
Ingenieurbüro Heller GmbH, Herrieden (Vermessung, Deponieabdeckung)
KP Ingenieurgesellschaft für Wasser und Boden mbH, Gunzenhausen (Baugrundgutachten)
Hütten & Paläste, Berlin (Aussichtspavillion LP1-3 )
Holzinger Eberl Fürhäusser Architekten, Ansbach (Aussichtspavillion LP5-8, Umnutzung Sägemühle)
Geowissenschaftliches Büro Dr. Heimbucher GmbH, Nürnberg (Untersuchung Grundwasserstände)
Just Statik GmbH, Gunzenhausen (Bauwerksgutachten)
Baader Konzept GmbH, Gunzenhausen (FFH-Verträglichkeitsstudie)

am Bau beteiligte Firmen
Garten- und Landschaftsbau Fiedler GmbH & Co. KG, Großmehring (GaLA-Bau Teilbereich Klingenweiher, Festplatz, Gärten am Entengraben)
Zäh Gartengestaltung & Co. KG, Wassertrüdingen (GaLa-Bau Teilbereich Wörnitz)
Hubert Schmid Bauunternehmen GmbH, Marktoberdorf (Spezialtiefbau und Stahlbau Weihersteig)
Metallverarbeitung André Taubert, Greiz (Spengler- und Metallbauarbeiten "Goldene Hülle" Weihersteig)


Auftraggeber | Bauherr
Gartenschau | Städtebauliche Maßnahmen:
Natur in Wassertrüdingen 2019 GmbH
Marktstraße 9
91717 Wassertrüdingen

Verkehrsanlagen | Wohnmobilstellplatz:
Stadt Wassertrüdingen - Der Bürgermeister
Marktstraße 9
91717 Wassertrüdingen

Bearbeitungszeitraum
Planung 2015 bis 2017, Realisierung 2017 bis 2019

Planungs- / Baukosten
7,23 Mio € (KG 500 netto)