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Freiraumgestaltung Erweiterung Moderne Galerie Saarlandmuseum

Saarbrücken, D

Ziel war es, im Sinne Hanns Schöneckers beim bestehenden Saarlandmuseum die Landschaft mit dem Erweiterungsbau und den Erweiterungsbau mit dem Altbau zu verbinden und mit dem neuen Museumsplatz den Eingang zum Saarlandmuseum zu betonen. Ein Gesamtkunstwerk, welches gleichzeitig Raumskulptur und Platz ist und den vorhanden Skulpturengarten im Umfeld des Museums durch eine weitere Skulptur ergänzt. Der neue Museumsplatz ist als Schriftinsel im erweiterten Skulpturengarten des Saarlandmuseums angelegt. Er nimmt die Figur-Grund-Beziehung der Schönecker-Pavillons auf und übertragt sie auf die umgebende Landschaft. Immer dort, wo die Fläche auf den Neubau trifft, faltet sie sich an diesem hoch und lässt den Platz zur Fassade werden.

Detail
Um die Verbindung der Raumskulptur zu den Schönecker-Pavillons stärker sichtbar werden zu lassen, wurde das Grundraster Schöneckers von 4 x 4 Metern für die Gestaltung der Raumskulptur aufgegriffen und in Werksteinplatten dieses Formates übersetzt. Ein Format, welches als Platz- und Fahrbahnbelag weder in Normen noch Merkblättern geregelt ist. Als vorfabrizierte Werksteinplatten, die als Bodenbelag auch funktionale Anforderungen wie die Entwässerung zu gewährleisten haben, fand eine hohe Anzahl individueller Sonderformate mit verwundenen und mehrfach gekrümmten Oberflächen Verwendung, um an Rinnen und die Fassaden anzuschließen und trotzdem ein Gefälle auszubilden. Die nahezu weißen, gesäuerten 4 x 4 Meter großen, 22 cm dicken und ca. 6 Tonnen schweren Platten mussten in ihrer Oberfläche in Fassade und Bodenbelag absolut identisch sein. Sie bestehen aus 80 % Weiß- und 20 % Grauzement sowie den Zuschlagstoffen Quarzkies und Edelbrechsand. Die Zuschlagsstoffe treten durch eine 5-fache Säuerung leicht zutage und geben den Oberflächen eine samtig strukturierte, haptische Erscheinung.
Die Werksteinplatten wurden nach ihrer Ein- und Anbringung vor Ort mittels Schablonen beschriftet. Die Beschriftung erfolgte über vorgefertigte, auf die Steinflächen aufgeklebte Folienschablonen mit einem schwarzen Zweikomponentenpolyurethan-Lack. Dieser wurde in 5-fachem Schichtauftrag aufgebracht und zeichnet sich durch eine hohe UV-, Wetter- und Wasserbeständigkeit aus. Ebenso besitzt er eine hohe Temperaturbeständigkeit von 150 Grad Celsius und wurde mit einer tritt- und rutschfesten Einstellung appliziert.
In dieser Größe stellen die Werksteinplatten als Bodenbelag im Außenraum ein absolutes Novum dar und waren Gegenstand umfangreicher Recherchen von bbz landschaftsarchitekten.

Historie
2011 war das im Rohbau stehende Projekt für die Erweiterung der 1960er-Jahre-Pavillon Bauten Hanns Schöneckers zum Stillstand gekommen. Zwei Jahre später, 2013, wurde die Planung in einem Konzeptverfahren an Kuehn Malvezzi neu vergeben. Zusammen mit dem Künstler Michael Riedel präsentieren die Architekten einen Vorschlag für die Neukonzeption, der die schwierige politische Vorgeschichte nicht negiert, sondern zum Ausgangspunkt des Entwurfs macht. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis des Museums zum öffentlichen Raum, sowohl in Bezug auf das physische Umfeld des Museums, die Freiräume zur Stadt und an der Saar, wie auch in Beziehung zur politischen Öffentlichkeit, zu Auftraggebern und Nutzern der Anlage.

Konzept
Die gemeinsame Arbeit von Kuehn Malvezzi, Michael Riedel und bbz landschaftsarchitekten, verschränkt Innen- und Außenraum, Platz und Fassade, indem sie Architektur und Kunst verbindet. Der Entwurf ist eine skulpturale Installation, die Schrift als Formträger einsetzt und eine andere Lesbarkeit des Orts erzeugt. Die Tonaufnahme der entscheidenden Parlamentsdebatte über die Umsetzung des Konzepts von Kuehn Malvezzi und Michael Riedel am 22. April 2015 wird in ein Schriftbild übersetzt, das auf Platz- und Fassadenteilen erscheint. Die Transkription erfolgt ohne Namen der Sprechenden, während das Wort Museum immer dort hervorgehoben wird, wo es im Verlauf der Aufnahme erscheint. Die Arbeit folgt damit einem von Michael Riedel in verschiedenen Kontexten angewandten Verfahren der Wiederholung, in dessen Mittelpunkt Aufnahme und Wiedergabe eines Ereignisses steht.


Beschriftungsplan der 4 x 4 m großen Werksteinplatten gibt eine Übersicht zur Verteilung des Schriftmusters von Michael Riedel. © bbz landschaftsarchitekten, 2015


Detailausschnitt Beschriftungsplan © bbz landschaftsarchitekten, 2015


Übersicht der unterschiedlichen Regeltypen der Werksteinplatten, die individuell gefertigt wurden. © bbz landschaftsarchitekten, 2015


Die Werksteinplatten mussten in ihrer Oberfläche in Fassade und Bodenbelag absolut identisch sein und wurden nach ihrer Ein- und Anbringung vor Ort mittels Schablonen beschriftet. © Eicher Werkstätten, 2016


Die Zuschlagsstoffe, Quarzkies und Edelbrechsand, treten durch eine 5-fache Säuerung leicht zutage und geben der Oberfläche der Kunststeinplatten eine samtig strukturierte, haptische Erscheinung. © Felix Krebs, 2018


Schutzmaßnahmen während des Farbauftrags durch Eicher Werkstätten. © Eicher Werkstätten, 2016


Der schwarze Zweikomponentenpolyurethan-Lack wurde in 5-fachem Schichtauftrag aufgebracht und zeichnet sich durch eine hohe UV-, Wetter-, Wasser- und Temperaturbeständigkeit aus. © Eicher Werkstätten, 2016


Immer dort, wo die Fläche auf den Neubau trifft, faltet sie sich an diesem hoch und lässt den Platz zur Fassade werden. © Ulrich Schwarz, 2018


Eine hohe Anzahl individueller Sonderformate mit verwundenen und mehrfach gekrümmten Oberflächen wurde verwendet, um an Rinnen und Fassaden anzuschließen und trotzdem ein Gefälle auszubilden. © Felix Krebs, 2018


Detail Schriftbild auf den nahezu weißen, gesäuerten 4 x 4 Meter großen, 22 cm dicken und ca. 6 Tonnen schweren Werksteinplatten. © Felix Krebs, 2018


Entwurfsverfasser
bbz landschaftsarchitekten, Kuehn Malvezzi Architekten, Michael Riedel Künstler

Mitarbeiter
Timo Herrmann,
Malte Stellmann,
Ellen Kallert,
Stefan Göde,
Jana Kilbertus,
Meinhard Kuntz


Fachplaner / Bauleitung
Wenzel + Wenzel, Karlsruhe

am Bau beteiligte Firmen
beteiligte Firmen Außenanlagen:
Eicher Werkstätten, Kernen
Leick Baumschulen, Merzig
Kempf Außenanlagen, Saarbrücken
Dittgen Bauunternehmen, Schmelz


Auftraggeber | Bauherr
Auftraggeber:
Kuehn Malvezzi Architekten
Bauherr:
Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Saarbrücken
vertreten durch die LEG Service GmbH, Saarbrücken

Bearbeitungszeitraum
Freianlagen 2014 - 2017

Planungs- / Baukosten
3,6 Mio € (brutto AK)