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Gestaltung des Gartens am Melanchthonhaus

Lutherstadt Wittenberg

Der Melanchthongarten ist Teil des Museums zu Leben und Wirken Melanchthons.
Von Mauern umschlossen ist dieser hortus conclusus eine zeitgenössische Interpretation klösterlicher Gartenbilder. Über eine Platzfläche an den Gebäuden erreicht man einem Medizinalgarten mit regelmäßig angeordnete Hochbeeten. Es folgt ein Wiesengarten, dessen obstbaumüberstandene Einzelflächen durch ein Wegekreuz geteilt sind. An der Stadtmauer lädt eine Terrasse zum Aufenthalt ein. Durch einen Weg entlang der Mauern sind alle Gartenteile miteinander verbunden.
Die klare Ordnung der Gartenelemente bildet einen spannenden Kontrast zur mannigfaltigen Bepflanzung. Die verwendeten Materialien mixen traditionelle, regionale Materialien mit modernen Baustoffen.

Der Garten am Hause Melanchthons ist Teil des Museums in der Lutherstadt Wittenberg zu Leben und Wirken Melanchthons. Er wurde 2016 als letzter Bauabschnitt des Museums fertiggestellt. Die Neugestaltung will Philipp Melanchthon, bekannt u.a. als Theologe, Humanist und Pädagoge, in seinem Garten lebendig werden lassen. Er studierte antike und zeitgenössische botanische Fachbücher, forschte und publizierte über die Heilkraft einzelner Kräuter und brachte sein Wissen als „Hausarzt“ zum Einsatz.
Allseits von Mauern umschlossen ist dieser hortus conclusus eine zeitgenössische Interpretation klösterlicher Gartenbilder. Vom Hause Melanchthons und dem modernem Museumsbau erreicht man eine den Gebäuden vorgelagerte Platzfläche, die die gesamte Grundstücksbreite einnimmt und einen Überblick über den Garten ermöglicht. Es schließen sich regelmäßig angeordnete Hochbeete an, in denen wie in einem Medizinalgarten die Heilpflanzen nach Verwendungszweck geordnet angebaut werden.
Diesem Gartenraum folgt ein Wiesengarten, die Flächen durch ein Wegekreuz geteilt, in dessen Zentrum sich unter einer alten Eibe eine Terrasse befindet. Hier soll Melanchthon der Überlieferung nach Studenten gelehrt und mit ihnen diskutiert haben. Die Wiesen sind von Obstbäumen überstanden, die den ehemaligen Nutzgartencharakter der Flächen betonen.
Hinter dem Wiesengarten befindet sich, der Stadtmauer Wittenbergs vorgelagert, eine Terrasse, die Besucher zum Aufenthalt einlädt und auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Der Garten ist durch einen Wandelgang entlang der Mauern gefasst, der alle Gartenteile miteinander verbindet. Wegebegleitende Rabatten zeigen Stauden und Ziergehölze.
Die Westseite des Gartens ist durch ein Lindenspalier geprägt, dass als vertikales Element die Gartenräume verbindet und den hier frei einsehbaren Mauern ein adäquates Grünvolumen an die Seite stellt. Der weitere Baumbestand des Gartens ist ein Mosaik verschiedener Zeitschichten. Der Entwurf ergänzt und vereinigt diese Teile aus verschiedenen Jahrhunderten zu einem neuen Ganzen.
Die klare Ordnung der Gartenelemente bildet einen spannenden Kontrast zur mannigfaltigen Bepflanzung. Zu jeder Jahreszeit zieht sie die Aufmerksamkeit der Besucher mit vielfältigen Blatt- oder Blütenstrukturen und durch verschiedenste Wuchs- und Kulturformen auf sich. Die Bepflanzung ist die wichtigste Attraktion des Gartens. Sie zeigt in vielfältiger Weise was den wirklichen Wert eines Gartens ausmacht.
Die verwendeten Baumaterialien des Gartens mixen traditionelle, regionale Materialien mit modernen Baustoffen. Dieses Konzept prägt bereits die Museumsgebäude und die Ausstellungsgestaltung. Der prägnante Giebel des Wohnhauses Melanchthons kontrastiert zum modernen Klinkerbau der Museumserweiterung in ähnlicher Weise wie die historischen Mauern mit den hellen Betonelementen. Die Terrassen (Granitpflaster, Lärchenholz und wassergebundene Decke), Hochbeete (Robinienbohlen, Betonfertigteile), der Wandelgang (Fruchtschieferplatten) und die Mauerergänzungen (Klinkermauerwerk, Stahltoranlagen) ordnen sich in dieses Materialkonzept ein.
Als Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Luthergedenkstätten, den Landschaftsarchitekten atelier le balto und GFSL clausen landschaftsarchitekten entstand ein hochwertiger und detailreicher Garten, der zum Entdecken, Flanieren und Entspannen einlädt. Mit der Neugestaltung wird der Garten zu einem Bestandteil des Museums, in dem sich Leben und Wirken Melanchthons widerspiegelt.


Konzeptskizze als erste Impression des Wandelganges, begrenzt von Mauer und Spalierbäumen, die den Blick auf großzügige Wiesenflächen ermöglichen. © atelier le balto, 2014


Von der Idee zur Realität. Eindrücke während der Umsetzung der Baumaßnahme mit Blick auf die Lindenspaliere und die zukünftigen Wiesenflächen. © Rüdiger Clausen, GFSL clausen landschaftsarchitekten, 2015


Von der Idee zur Realität. Eindrücke während der Umsetzung der Baumaßnahme mit Blick auf die Kräuterbeete und Betonbanquette. © Rüdiger Clausen, GFSL clausen landschaftsarchitekten, 2015


Klare Ordnung und bildhafte Geometrie. Fertigstellung des Gartens. Impression im Frühling auf die Kräuterbeete, im Hintergrund der Blick auf die blühenden Obstgehölze. © Marc Pouzol, atelier le balto, 2016


Eröffnung des Melanchthongartens im Juni 2016. Üppig wachsende Kräuterbeete, im Hintergrund die Lindenspaliere und Zusammenstoß von Alt und Neu – die Grundstücksmauer am Wandelgang. © Anne Weißenborn, GFSL clausen landschaftsarchitekten, 2016


Die Klare Ordnung des Melanchthongartens. Von Kräuterbeeten, Bäumen und Wiesen. © Anne Weißenborn, GFSL clausen landschaftsarchitekten, 2016


Blütenpracht am Wandelgang des Melanchthongartens. Rahmenpflanzung um die wildromantischen Wiesen mit vertikaler Spaliergestaltung durch Linden (Tilia europeae ´Pallida´) © Maxe Nowotka, Nowotka Produktions, 2016


Mauer, Spalier und Wiese. Drei Elemente, welche die Neuinterpretation des Gartens des Melanchthon charakterisieren. © Maxe Nowotka, Nowotka Produktions, 2016


Entdecken, Spielen, Lernen. Eine Wiese für Jung und Alt im Zentrum des Melanchthongartens mitten in der Altstadt der Lutherstadt Wittenberg. © Maxe Nowotka, Nowotka Produktions, 2016


Entwurfslageplan der Berliner Landschaftsarchitekten atelier le balto © atelier le balto, 2014


Entwurfsverfasser
Marc Pouzol, atelier le balto

Mitarbeiter
Véronique Faucheur
Nil Lachkareff

Rüdiger Clausen, GFSL clausen landschaftsarchitekten gruen fuer stadt + leben gmbh

Mitarbeiter
Jörg Kuther
Anne Weißenborn


Fachplaner / Bauleitung
Entwurf, atelier le balto
Genehmigungsplanung, GFSL clausen landschaftsarchitekten
Ausführungsplanung, atelier le balto und GFSL clausen landschaftsarchitekten
Ausschreibung und Vergabe, GFSL clausen landschaftsarchitekten
Bauleitung GFSL clausen landschaftsarchitekten unter Begleitung von atelier le balto

am Bau beteiligte Firmen
Galabau Dessau-Ziebigk GmbH
Landschafts- und Gartenbau Stackelitz GmbH
Elsterbau GmbH
Metallbau Hörig GmbH


Auftraggeber | Bauherr
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Collegienstraße 54
06886 Lutherstadt Wittenberg

Bearbeitungszeitraum
06/2014 - 06/2016

Planungs- / Baukosten
ca. 600.000 € (brutto)