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Entwurfsverfasser Landschaftsarchitektur:
Peter Latz, LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung, Kranzberg

Mitarbeitende:
Projektleitung Planung:
Christine Rupp-Stoppel im Stammbüro in Kranzberg
Karl-Heinz Danielzik im Projektbüro in Duisburg
Mitarbeit Planung:
Stefanie Meinicke (†), Peter Bedner, Renate Bickelmann, Tilman Latz, Marianne Reisig, Martina Schneider, Robert Wenk, Peter Wilde, Jutta Wippermann u. a.
Praktikanten:
Claudia Baumstark, Ulrike Böhm, Georg Klumpen, Christoph Marx, Martin Prominski u. a.

weitere Planungsbeteiligte:
Günther Lipkowsky Oberhausen (Partnerbüro Architektur), Prof. Wigbert Riehl, Latz Riehl Schulz, Kassel (Partnerbüro Realisierung)
Mitarbeit Realisierung: Claus Heimann, Philipp Kühnel, Matthias Leimbach

in Auftrag gegeben von:
Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) NRW als Treuhänder der Stadt Duisburg, Emschergenossenschaft Essen, Kommunalverband Ruhrgebiet KVR (heute RVR)

Bearbeitungszeitraum:
1990 – 2002

Fläche:
200 ha

Planungs-/Baukosten:
Gesamtbaukosten ohne Gebäude, Altlastensanierung und Verrohrung des Schmutzwasserkanals: etwa 15 Mio. Euro

 



 

Juryurteil:

1985 beendete die Eisenhütte Duisburg-Meiderich ihre Produktion und läutete damit die Transformation der Industriebrache zum heute wohl bedeutendsten und bekanntesten postindustriellen Landschaftspark ein. Im Rahmen der IBA Emscher Park als offene Baustelle begonnen, wurde der Park 1994 nach Fertigstellung der zentralen Bereiche um das Hochofenwerk dem Publikum offiziell übergeben. Dabei wurden die vorhandenen industriellen Strukturen aufgegriffen und ihre Fragmente in einer neuen Syntax zu einer „Landschaft“ entwickelt, die als neuartiger Park-Typus Aspekte der ökologischen Erneuerung mit Aspekten der Nutzung verbindet.

Während seinerzeit umstritten war, öffentliche Räume in der Hochofenanlage zu schaffen, ist heute die Furcht vor giftigen Altlasten einer ruhigen Akzeptanz der alten Strukturen gewichen. Besucher wandern durch die Ruinen der Produktion, lernen, mit ihnen umzugehen und sie nach ihrer eigenen Vorstellung zu nutzen. Dabei beweist sich nach fast dreißig Jahren „Reifung“, dass das Projekt der Zeit und dem starken Nutzungsdruck standgehalten hat, dass Konzept und Planung in ihrer aus dem Ort und nicht aus einem Zeitgeist entwickelten Ästhetik bis heute überzeugen können, und dass der Park durch Unterhalt, Entwicklung und Pflege über die Jahre an Wert gewonnen hat.

Mit seinen starken Bildern und der damit transportierten Botschaft, welch‘ großartige Potenziale in Fortschritt und Wandel stecken können, hat sich der Landschaftspark Duisburg-Nord zu einer Ikone von internationaler Strahlkraft entwickelt. Der Erhalt der industriellen Strukturen und deren Interpretation in neuem Kontext dienen seither als Vorbild für eine Vielzahl anderer nationaler und internationaler Landschaftsarchitekturprojekte im postindustriellen Kontext. Dabei setzt das Projekt Maßstäbe nicht nur im Erhalt und in der Integration baulicher und vegetativer Strukturen, sondern auch im Umgang mit Kontaminationen und Altlasten, dem Recycling vorhandener Baumaterialien und der Nutzung von Regenwasser. Besonderer Verdienst ist dabei, dass es mit der Transformation gelungen ist, ein neues Verständnis für den Ort und einen anderen Begriff der Gartenkunst zu entwickeln, der die Landschaftsarchitektur bis zum heutigen Tag prägt.

 

Projekterläuterung:

1985 beendete das Hüttenwerk Duisburg – Meiderich die Produktion. 1989 beschloss die Stadt Duisburg die Transformation der Industriebrache in einen Park, der in 13 Jahren im Rahmen der IBA Emscher Park unter Mithilfe zahlreicher Bürgergruppen und Vereine Realität wurde. Er ist eines der über 100 Projekte, mit denen die IBA Maßstäbe einer Baukultur für den ökologischen, ökonomischen und sozialen Umbau der Altindustrieregion im nördlichen Ruhrgebiet setzte.

Die vorhandenen industriellen Strukturen wurden aufgegriffen, ihre Fragmente in einer neuen Syntax zu einer neuen „Landschaft“ entwickelt. Einzelne Schichten wirken unabhängig voneinander, sind visuell, funktional oder auch nur ideell verknüpft:
- der tief eingeschnittene Wasserpark,
- der Bahnpark mit Hochpromenaden und Brücken,
- die in großen Bereichen nur extensiv gepflegten Felder der Vegetation,
- die Promenaden auf Straßenniveau, die früher getrennte Stadtteile verbinden,
- der Sinterpark mit Festplatz und horti conclusi in den Erzbunkern
- und der Hochofenpark mit Aussichtsplattformen, Felsengärten und Plätzen im Herzen der Anlage.

Der offene Schmutzwasserkanal der„Alten Emscher“ wurde verrohrt und wandelte sich zum Klarwasserkanal mit Brücken und Stegen, gespeist von Regen- und Pumpenwasser. Kanal, offene Rinnen, alte und neue Rohre, Biotope in Kühltassen und Klärbecken und der spektakuläre Vielblattrotor auf dem Gerüst des Brechturms sind Teile eines Wassersystems, dessen „natürliche“ Prozesse nach ökologischen Regeln ablaufen, aber technologisch initiiert und aufrechterhalten werden.

Im Bahnpark führen die Linien der Gleise, einzig wirklich durchlaufenden Verbindungen im Park, tief in die Wohn- und Arbeitsbereiche der angrenzenden Stadtviertel. Gleisharfen erscheinen nach einem gezielten Vegetationsmanagement als riesige Land Art.
Brücken verbinden getrennte Parkteile. Gleisstege, gebaut mit Elementen alter Stahlbrücken, laufen auf alten Pfeilern und über die Erzbunker.
Die magere farbenreiche Vegetation auf den aus Schlacke geschütteten Dämmen, eingewandert mit Erz aus der ganzen Welt, schützt ein spezielles Vegetationsmanagement.

Der Abriss der hoch kontaminierten Sinteranlage gab Raum für einen großen Platz, gerahmt von Bunkermauern, Gleissteg, Brechwerk und dem Gerüst der Kranbahn vor der Silhouette der Hochöfen. Dachgärten decken belastetes Material in den Bunkertaschen. Nicht kontaminierter Abbruch wurde zu neuen Baumaterialien recycelt.

Es war umstritten, öffentliche Räume in der Hochofenanlage zu entwickeln. Heute ist die Furcht vor giftigen Altlasten einer ruhigen Akzeptanz der alten Strukturen gewichen. Besucher wandern durch die Ruinen der Produktion, lernen, mit ihnen umzugehen und sie nach ihrer eigenen Vorstellung zu nutzen. Bis zu 50.000 Menschen finden sich bei Festen auf den Plätzen ein. Es entstand eine neue Geschichte, entwickelte sich ein neues Verständnis für den Ort und ein anderer Begriff der Gartenkunst.

Die gigantischen Erzbunker parallel zu den Hochöfen beschäftigten mit ihren tiefen Betonkammern, den geheimnisvollen dunklen Räumen und Gängen die Phantasie der Planer in unterschiedlichen Annäherungen. Aus Kostengründen konnten nur in einem Teil der Bunker die 2 – 3m dicken Betonmauern durchschnitten und mit Rampen und Stegen verbunden werden. Der nördliche Teil wurde zum Klettergarten des Alpenvereins.
Die durchgehend nutzbaren mineralischen Flächen, Wiesen und Gärten, Stege und Brücken und in Teilen betretbare industrielle Bauten und Ruinen sind offen für alle und ein riesiger ungefährdeter Spielplatz in einem dramatischen Ambiente.

"Innerhalb von zwei Jahrzehnten wandelte sich ein stillgelegtes Hüttenwerk zu einer Großstadtoase. Die millionenfach fotografierte Hochofenkulisse ist heute eine weltweit bekannte Natur- und Kulturlandschaft sowie mit jährlich rund 250 Veranstaltungen eine Top-Event-Adresse. Mit durchschnittlich einer Million Besuchern pro Jahr gehört der Landschaftspark Duisburg-Nord zu den beliebtesten Natur- und Kulturlandschaften in Nordrhein-Westfalen." (www.landschaftspark.de)