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Klostergärten und Außenanlagen Stift Neuzelle

Neuzelle (Brandenburg)

Die Baumaßnahmen der Klostergärten der ehemaligen Zisterzienser-Abtei Neuzelle wurden 2002 begonnen und werden seitdem in Abschnitten fortgeführt. Neben den Gärten werden auch die angrenzenden Bereiche wie Stiftsplatz, Brauhausplatz und der Internatshof wiederhergestellt. So wird das gesamte städtebauliche Ensemble des Klosters in die Gestaltung mit einbezogen.
Die Klostergärten wurden im Rahmen des Klosterausbaus Mitte des 18. Jhds unter Einbeziehung von Hangzone und Oderniederung angelegt. Die denkmalgerechte Wiederherstellung, Restaurierung und Pflege folgt dem Leitbild, die Gärten mit ganz unterschiedlich gestalteten Teilbereichen wieder in barocker Fülle erlebbar zu machen. Einen Kontrast dazu bilden die schlicht gehaltenen Höfe und der Stiftplatz, die v. a. durch ihre Feldsteinpflasterung und die umgebenden Gebäude wirken.
In der Grobgliederung der Gärten handelt es sich um den Konvent- und den herrschaftlichen Lust-, Obst- und Küchengarten. Dazu gehören das Parterre, die Terrassenanlagen mit Orangeriepflanzen, das Spiegelbassin, mit Hainbuchen gesäumte Treillagen, das Boskett und der zum Teil ebenfalls repräsentativ gestaltete und fein gegliederte Obst-, Küchen- und Kräutergarten.
Um eine Vorstellung über das Wissens des Klosters im 18. Jhd zu gewinnen, wurde im Katalog der Klosterbibliothek recherchiert, welche Bücher zu Gartenbau und Pflanzenverwendung damals vorhanden waren. So wurde ein breites Spektrum an Literatur festgestellt, das nachweist, dass die Mönche mit ihren Informationen auf der Höhe der Zeit waren.

Soweit als möglich werden die Pflanzungen am überkommenen Bestand und an historischen Quellen orientiert. Zu den im Lustgarten verwendeten historischen Obstarten und -sorten gehören Bitterorangen und andere Agrumen, die in der Orangerie überwintert und im Sommer auf den Terrassen aufgestellt werden. Ein Spalier an einer südexponierten Mauer bietet Birnen und Aprikosen ein besonders warmes und gegen Spätfröste geschütztes Kleinklima. Die im Parterre der Orangerie erhaltenen barocken Kegeleiben werden in der erkennbaren Struktur durch Neupflanzungen ergänzt. Damit legitimiert sich eine Fortführung der Gestaltung über einen Zeitraum von über 250 Jahren. Der Laubengang als Verbindung von Parterre und Boskett wird unter Erhalt der ursprünglichen Fundamente als Gitterstruktur neu erstellt und mit geschnittenen Hainbuchen zu einem Berceau entwickelt.

Zahlreiche Kernobst-, Steinobst- und Beerenobstarten und -sorten werden in den Obstquartieren gepflanzt und formend geschnitten. In den Gemüsebeeten werden diverse Arten in den unterschiedlichen Lebensformen mit Hauptkultur sowie Vor- und Nachfrucht angebaut. Die Wahl fällt auf robuste und samenfeste Sorten mit einem großen Spektrum an Formen, Farben und Aromen. Dabei wird das historische Prinzip der Vielfalt der Gartenerzeugnisse angewendet, wie es für die Versorgung einer großen Wirtschaftseinheit wie des Klosters üblich war. Leicht erhabene mit Eichenholz gestützte Gemüsebeete, Rankgerüste für Stangen-Bohnen und Haselnuss-Reisig für Erbsen, bilden eine feine strukturierte Topographie und filigrane Architektur im Beet. Dahlien und Canna in farblich gefassten Kübeln ergänzen die Flächen in subtropischer Pracht. Die nach diesem Prinzip angelegten Gärten bieten Besuchern im Jahreslauf immer wieder Neues.
Die Gärten und der Stiftsplatz mit Museen und Klosterkirche sind ein in der Region beliebtes Ausflugsziel. Im Sommer finden dort Konzerte, Führungen und Veranstaltungen statt.


Parterre vor der Orangerie, Rosenhochstämme an Ecken der Kompartimente, mit einer sehr niedrigen Buchsbaum Einfassung © Winkelmeier, hochC Landschaftsarchitekten, 2016


Blick auf Kreuzkirche, mit Orangen Bäumchen in Holzkübeln, angrenzend das Boskett mit eingrenzenden Hainbuchenhecken © Winkelmeier, hochC Landschaftsarchitekten, 2016


Blick von den Terrassen auf das Parterre mit Brunnen © Winkelmeier, hochC Landschaftsarchitekten, 2016


Anblick auf eingetiefte und modellierte Rasenspiegel in den Kompartimenten, Neugepflanzten Eibenkegel ergäzen den historischen Eibenbestand aus der Barockzeit, der Laubengang ist ein mit Hainbuschen bepflanste Treillage (Berçeau) © Winkelmeier, hochC Landschaftsarchitekten, 2016


Die Einfassung des Spielelbassins wurde in historischer Bauweise mit einer Rammträger-Bohlwand und Abdeckung aus Eichenholz befestigt © Winkelmeier, hochC Landschaftsarchitekten, 2016


Stiftplatz mit Barrierefrei angelegter Gehbahn aus Natursteinpflaster, Teile der historischen Pflasterung wurde In-situ erhalten © Winkelmeier, hochC Landschaftsarchitekten, 2016


Die Grundmauern des ehemaligen Krankenhauses auf dem Konventhof wurden im Ziegelverband nachgezeichnet © Winkelmeier, hochC Landschaftsarchitekten, 2016


Schulhof des Gynasiums: Das Bühnenrondell mit Sitzstufen wurde als moderne Ergänzung in den Waisenhaushof integriert © Winkelmeier, hochC Landschaftsarchitekten, 2016


Detailaufnahme des Bühnenrodells, die Sitzstufen fügen sich in die überkommene Topographie des Hofes ein © Winkelmeier, hochC Landschaftsarchitekten, 2016


Entwurfsverfasser
Claus Herrmann, hochC Landschaftsarchitekten PartGmbB (1. BA Schumacher+Herrmann GbR)

Mitarbeiter
Frank Riebesell
Susanne Moll
Ralf-Peter Haigis
Lauren Felten


Fachplaner / Bauleitung
Architekturbüro Nülken

am Bau beteiligte Firmen
GLF Eisenhüttenstadt, Gusser Metallbau, Denkmalpflege Prenzlau, Tief- & Leitungsbau GmbH H. Burisch, Biermann Garten- und Landschaftsbau GmbH


Auftraggeber | Bauherr
BLB Brandenburgischer Landesbetrieb Liegenschaften und Bauen Frankfurt (Oder)
Stiftung Stift Neuzelle

Bearbeitungszeitraum
1998-2021

Planungs- / Baukosten
6,2 Mio €