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Stadtumbau Schwäbisch Gmünd

Schwäbisch Gmünd

Mit dem Anliegen Innen- und Altstadt lebenswerter zu gestalten und in Konkurrenz zu den Umlandgemeinden zu stärken, hat Schwäbisch Gmünd in kürzester Zeit einen enormen Wandel vollzogen. Der Rückbau von autogerechten Strukturen zugunsten von Freiflächen hat die Stadt nachhaltig wiederbelebt. Auf rund 15 ha Projektgebiet wurden Orte unterschiedlicher Charaktere kreiert, die historische Elemente in Wert setzen und zeitgemäße Gestaltung in einen harmonischen Kontrast dazu stellen. Symbol und Bindeglied des neuen Gmünds, ist die Freilegung der unter einem Verkehrsknoten verborgenen Mündung des Josefsbachs in die Rems. Anstelle eines mit Grün unterversorgten Zentrums treten Stadtstrände, Parks und vielfältige Bewegungs- und Freizeitangebote.

STADTUMBAU

Schwäbisch Gmünd ist beispielhaft für zahlreiche deutsche Städte, deren dicht bebauter historischer Kern seit dem Wiederaufbau in den 1950er Jahren ein autogerechtes Umfeld umschließt. Ökologische und demografische Herausforderungen haben in der jüngeren Vergangenheit zu einem Paradigmenwechsel und der Erkenntnis geführt, dass grüne Freiflächen ein praktisches Beispiel für das abstrakte Konzept nachhaltiger Entwicklungen sind. Der Bau eines Umgehungstunnels erlaubte das Areal vollkommen neu zu denken. Im Zuge einer Landesgartenschau vollzog die Stadt in unvergleichlich kurzer Zeit einen tiefgreifenden Umbau. Große Bereiche der Innenstadt wurden verkehrlich und baulich neu geordnet, die Gewässer Rems und Josefsbach wurden durch Sohlerhöhung, Zugänge und teilweise Renaturierung reaktiviert. Die Josefsbachpromenade liegt nun als halbring-förmiger Park gemeinsam mit der freigelegten Stadtbefestigung um den historischen Stadtkern und lässt ihn als solchen wieder klar erkennen. Neue Wege und Querungsmöglichkeiten, Spielplätze und Aufenthaltsbereiche am Wasser machen den grünen Gürtel zu einem aktiven Bestandteil des Ensembles.

SYMBOLTRÄCHTIGER MÜNDUNGSBEREICH

Die Rückgewinnung der Flussmündung symbolisiert die Vehemenz dieses neuen Gmünds. An einer räumlich maßgeblichen Stelle – zwischen Bahnhof und Altstadt, im absoluten Zentrum der 60.000-Einwohner-Stadt – entstand ein gleichermaßen naturnaher Erholungsort als auch urbaner Treffpunkt. Ein Stadtstrand, der über befestigte Terrassen mit Sandaufschüttungen den Uferbereich zugänglich macht, ebenso wie eine weitläufige Freitreppe bieten bisher nicht dagewesenes Aufenthaltsangebote.
Der Zusammenfluss ist nun Bindeglied neuer und bestehender Freiräume. Hier treffen Alter Stadtgarten, Remspark und Josefsbachspromenade sowie die Übergänge zur Altstadt aufeinander und fügen sich zu einer neuen großzügigen Grünzone zusammen. Jeder dieser Freiräume öffnet sich zum Fluss- bzw. Bachlauf, so ist rings um die Mündung ein abwechslungsreiches Spiel unterschiedlicher Raumbezüge und Perspektiven zum Wasser erlebbar.

SPORT UND SPIEL BELEBEN

Entlang des Josefsbach erschließt ein skulpturaler Uferweg aus Beton das Gewässer und die historischen Fragmente der mittelalterlichen Stadtmauer. Er verengt sich, weitet sich, schneidet die Böschung und wird durch Auffaltungen zur langen Bank oder Stützmauer. Entlang dieser übergeordneten Grünverbindung taten sich neue Freiflächen auf. Hier zieht sich nun ein vielfältiges Spielband von der Josefsanlage am südlichen Endpunkt des Projektgebiets bis zur Mündung, mit skulpturalem Holzspielelement, Hängebrücke, Wasserspielplatz und Bewegungsstationen.
Ein besonderes Highlight stellt die Netzvilla dar. Mit dem Erscheinungsbild einer mehrgeschossigen Villa fügt sich die Kletterskulptur in das gründerzeitliche Villenband ein. Sie ist haushoch und bietet vollständig umschlossen einen erlebnisreichen Spielraum bis in eine Höhe von fast acht Metern ohne weitere notwendige Sicherungen. Neu entwickelte, rautenförmige Maschen des Raumnetzherstellers Corocord erlaubten, die an sich starren Seile im Raum zu dehnen und zu spannen. Auf Grund der höheren Flexibilität ließ sich die neuartige, dreidimensionale Struktur realisieren.
Das brachgefallene Areal des ehemaligen Güterbahnhofs wurde zum Gleispark mit Freizeit- und Sportaktivitäten für Jugendliche umgestaltet, mit verschiedenen Sportflächen und Sitzskulpturen aus Beton und Holz, die ein kommunikatives Umfeld schaffen.


Im vormals überbauten Mündungsbereich entstand in zentraler Lage ein gleichermaßen naturnaher Erholungsraum als auch urbaner Treffpunkt © Stadt Schwäbisch Gmünd, 2014


Befestigte Sandterrassen überwinden den Höhenunterschied zwischen Remspark und Mündungsufer © Hanns Joosten, 2014


Entlang des vormals unzugänglichen Josefsbachs führt heute eine Promenade vom Mündungsbereich entlang der mittelalterlichen Zwingermauer und setzt sich als Bachweg fort © Hanns Joosten, 2014


Der skulpturale Josefsbachweg umschließt als halbkreisförmige Grünanlage die Altstadt © Hanns Joosten, 2014


Neue Stadtstrukturen rücken den Bahnhofsvorplatz aus einer zurückgesetzten Lage in die erste Reihe, ein neuer Boulevard spannt einen urbanen Bogen bis in die Innenstadt © Hanns Joosten, 2014


Der Rückbau eines Kaufhausgebäudes öffnet die Ledergasse in ihrer alten Form zur Mündung, das „Bächle“ zitiert als flaches Wasserbecken den mittelalterlichen Wasserlauf © Hanns Joosten, 2014


Die haushohe Netzvilla ist der Höhepunkt des Spielbandes entlang des Josefsbachs © Hanns Joosten, 2014


Neu entwickelte, rautenförmige Maschen des Raumnetzherstellers Corocord erlauben erstmals die an sich starren Netze dreidimensional im Raum zu spannen © Hanns Joosten, 2014


Der Jugendspielbereich im Gleispark bietet Bewegungs- und Aufenthaltsbereiche in der Innenstadt, die vormals fehlten © Hanns Joosten, 2014


Lageplan © A24 Landschaft, 2014


Entwurfsverfasser
Steffan Robel, A24 Landschaft Landschaftsarchitektur GmbH

Mitarbeiter
Projektleiter: Sebastian Pötter, Carole Blessner (Stell. PL)
Wettbewerbsteam: Jan Grimmek
Projektteam: Judith Schneider, Pamela Ackermann, Clara Lescourret Conrad Panzner, Karoline Kaiser, Tristan Hoppe, Javier Fernandez, Ines Schneider


Fachplaner / Bauleitung
Bauleitung: Alexander Mezger (Arbol Landschaftsarchitektur)
Wasserbau: BGS Wasser Brandt Gerdes Sitzmann Wasserwirtschaft GmbH
Statik: Köhler und Graupner Bauingenieurgesellschaft mbH
Baugrund: Geotechnik Aalen
Verkehrsplaner Bahnhofsboulevard und Ledergasse: Ingenieurbüro WOLFGANG BÜRKLE
Verkehrsplaner Straßen am Josefsbach: PS Planungsbüro für Straßenbau und Verkehr Dipl.-Ing. Peter STEPHAN
Springbrunnentechnik Stadtgarten: Dipl.Ing. Wolfgang Schrötter Ingenieurbüro
Wassertechnik Ledergasse: Ingenieurgesellschaft Hetzel mbH & Co.KG

am Bau beteiligte Firmen
Georg Eichele Bauunternehmung GmbH
Grünanlagen Schwarz GmbH
Corocord (Netzvilla, Seile)


Auftraggeber | Bauherr
Stadt Schwäbisch Gmünd + LGS Schwäbisch Gmünd 2014 GmbH

Bearbeitungszeitraum
12/2007 - 04/2014

Planungs- / Baukosten
13,5 Mio. Euro