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Wohnanlage Hinterangerstraße

Ingolstadt

Die Einwohnerzahl der zweitgrößten Stadt im Regierungsbezirk Oberbayern ist seit 1989 von 100.000 auf mittlerweile rund 130.000 gestiegen  – Wohnraum entsprechend knapp. Vor diesem Hintergrund lobte die Gemeinnützige Wohnungsbau-Gesellschaft (GWG) Ingolstadt ein als Wettbewerb angelegtes Plangutachten mit 15 geladenen Teilnehmern aus: Auf dem Gelände eines schon abgerissenen Einkaufszentrums im Süden Ingolstadts sollten rund 100 Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen. Die Architekten blauwerk aus München entschieden dieses Verfahren mit den Freisinger Landschaftsarchitekten grabner huber lipp für sich. Zentrale Idee der Freianlagen ist der „Hinteranger“, der ähnlich einem Dorfplatz zum Treffpunkt der neuen Bewohner geworden ist.

Das rund 4.000 Quadratmeter große Areal liegt zwei Kilometer südlich des Stadtzentrums und in einem sehr heterogenen Umfeld: Im Süden und Osten grenzen größere Gewerbebauten, im Norden Einfamilienhäuser an. Zudem führt die stark befahrene Münchener Straße (B13) im Osten vorbei. Das neue Quartier vermittelt zwischen diesen unterschiedlichen Bauformen und ist in seinem Kern durch einen Gebäuderiegel zur Straßenseite vor Straßenlärm geschützt. Zwischen den drei öffentlichen Straßenräumen mit ihren unterschiedlichen Anschlusshöhen schält sich ein inneres Gartenplateau heraus. Dieses erhöhte Geländeniveau gewährleistet eine für die Pflanzflächen nötige Abdeckung der darunterliegenden Tiefgarage.

PLATZ FÜR BEGEGNUNG
Das innere Plateau ist geprägt durch sieben winkelförmige, in der Höhe abgestufte Baukörper, die eine vielfältige Raumabfolge im Wohnquartier entstehen lassen. Im Kernbereich der Wohnanlage liegt der neue „Hinteranger“, ein Treffpunkt für dieses Quartier – mit Kinderspielplatz, gemeinschaftlichen Aufenthaltsflächen und durch eine große Linde akzentuiert. Kleinere Vorplätze, die Haushöfe, sind den einzelnen Eingangsbereichen der Wohnhäuser zugeordnet. Diese multifunktionalen, halböffentlichen Höfe sind mit kleinkronigen, identitätsstiftenden Hausbäumen charakterisiert: „Wir treffen uns unter der Linde – oder am Kirschenplatz vor meiner Haustür ...“. Die Farbigkeit der Baumbänke und die Auswahl der in Bändern entlang der Wege gepflanzten Stauden geben über ein differenziertes Farbenspiel jedem Wohnhof ein eigenes Gesicht. Die Pflanzflächen entlang der Wege sind, um sie in der Pflege extensiv zu halten, aber trotzdem eine große Vielfalt zu ermöglichen, an das Prinzip des regelmäßigen radikalen Rückschnitts, Coppicing, angelehnt. Den Erdgeschosswohnungen sind darüber hinaus kleine, mit Hecken eingefasste Privatgärten zugeordnet.

WEGE DURCH DEN FREIRAUM
Der zentrale Eingang zum Gebiet erfolgt über einen Durchgang zur Münchener Straße, sodass Einkaufsmöglichkeiten, Bahnhof und öffentlicher Nahverkehr auf kurzem Weg erreichbar sind. Um die Lärmbelastung innerhalb des Quartiers zu minimieren, liegt die Tiefgaragenzufahrt so nah wie möglich und dezentral an der Münchner Straße. Sämtliche Besucherstellplätze sind am Rand des Quartiers angeordnet und schließen sich an die öffentlichen Straßenräume an. Somit bleibt das zentrale Wohnumfeld autofrei. Im Inneren verbindet ein informelles Wegesystem die Gebäude miteinander und erschließt den „Hinteranger“.
Unterschiedliche Beläge charakterisieren die Fußwege und erleichtern die Orientierung: Außerhalb des Quartiers sind die Wege gepflastert, innerhalb asphaltiert. In den Eingangsbereichen der Haushöfe erhöhen wassergebundene Decken die Aufenthaltsqualität für die Bewohner.


Zum Hinteranger führender Weg mit oberhalb der Tiefgaragenlüftung verlaufenden Beton- und Sitzbändern © Jürgen Huber, 2017


Lageplan © Jürgen Huber, 2017


Blick über die Pflanzflächen mit Farnwedel-Essigbaum, Federgras und Kugel-Lauch in Richtung Westen – zum Hinteranger © Jürgen Huber, 2017


Die Kinderspielflächen am Hinteranger © Jürgen Huber, 2017


Skizzen zum Bouleplatz © ghl, 2016


Der Hinteranger – als Gemeinschafts- und Bouleplatz nutzbar © Jürgen Huber, 2017


Der "Weiße Wohnhof" mit Lampenputzergras und Purpursonnenhut © Jürgen Huber, 2017


Detail der Bäumbänke in den Wohnhöfen © Jürgen Huber, 2017


Wildblumenmischung entlang der internen Erschließung © Jürgen Huber, 2017


Pflanzfläche mit Farnwedel-Essigbaum und Garten-Reitgras 'Karl Foerster' © Jürgen Huber, 2017


Entwurfsverfasser
Doris Grabner, grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner partnerschaft mbb

Mitarbeiter
Jürgen Huber
Patrick Lipp

Mitarbeiterin: Marlis Staubitzer


Fachplaner / Bauleitung
Hochbau: BLAUWERK Architekten GmbH, München

am Bau beteiligte Firmen
Fiedler GmbH & Co. KG, Grossmehring
Spreng GmbH & Co. KG, Ingolstadt


Auftraggeber | Bauherr
Gemeinnützige Wohnungsbau Gesellschaft Ingolstadt GmbH, Ingolstadt

Bearbeitungszeitraum
2012 - 2017

Planungs- / Baukosten
ca. 700.000 Euro (Baukosten, netto)