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Ökologische Stellplatzanlagen der Messe München GmbH

München-Riem

Ausgleichsmaßnahmen sind heutzutage ein wichtiges Thema, oft sind sie teuer und aufwendig und führen doch nicht zum naturschutzfachlichen Ziel. Das Projekt „Ökologische-Bauma-Stellplatzanlagen“ zeigt beispielhaft, wie effizienter Naturschutz und Naherholung mit Baumaßnahmen verbunden werden kann. Die insgesamt 23 ha umfassenden Flächen werden alle drei Jahre als Pkw-Stellplätze für die weltweit größte Baumaschinenmesse (Bauma) genutzt. Zwischen diesen Zeiträumen entwickeln sich auf den Flächen artenreiche Magerrasenkomplexe. Die Flächen wurden sowohl von der lokalen Bevölkerung als auch vom Bund Naturschutz sehr positiv aufgenommen.

Die Bauma findet alle drei Jahre im Frühjahr für eine Dauer von sieben Tagen statt. Während dieser Zeit werden sogenannten temporären Stellplatzanlagen in München, Aschheim und Feldkirchen genutzt. Von diesen werden die Besucher mit Shuttlebussen zum Messegelände gefahren. Die Flächen wurden von 2007 bis 2014 geplant und gebaut und bieten Platz für 5700 Pkw.

Alle drei Flächen wurden nach dem selben Prinzip angelegt: Der Oberboden wurde komplett abgeschoben und auf dem anstehenden Kies wurden autochthones Saatgut von Spenderflächen der Münchner Schotterbene aufgebracht. Im Osten und Westen werden die Magerrasenflächen von parkartig angelegten, keilförmigen Grünflächen flankiert. Diese „Keile“ sind durch einen mehrstufigen Bodenabtrag gekennzeichnet und vermitteln so zwischen dem Geländeniveau der Magerrasenstellplätze und dem umliegenden Gelände. Durch Probe-Schürfungen wurde ermittelt, dass die Körnung der anstehenden Kiese die notwendige Standfestigkeit aufweist, die für ein Befahren der Fläche mit Pkw und Shuttlebussen benötigt wird. Außerdem wurden die Fahrspuren, die einer höheren Belastung standhalten müssen, als Schotterrasenflächen angelegt. Jährlich zwei Pflegeschnitte werden den sich entwickelnden Arten angepasst, fördern die natürlichen Blühaspekte, die Artenvilefalt und garantieren eine langjährige Entwicklung des Magerrasenstandorts und die Ansiedlung heimischer Arten. Eingestreute Einzelbäume, (standortgerechte Arten) gepflanzt in erhöhte Bauminseln gliedern die Flächen so, dass insgesamt ein parkartiger, grüner Eindruck entsteht und die ökologische Wertigkeit des Planungsgebiets steigt. Für die Bepflanzung werden Baumarten der Münchner Schotterebene verwendet (Eschen, Kiefern, Eichen, Linden sowie Hainbuchen). In den Randbereichen werden die Stellplatzanlagen mit Baum- und Strauchpflanzungen eingegrünt und Sitzbänke integriert. Dadurch wird eine besondere Erholungsqualität für die Bürger generiert.

Durch die Nutzbarkeit des anstehenden Kieses als befahrbarer Belag entsteht hier keine Flächenversiegelung. Das anfallende Niederschlagswasser kann direkt zur Grundwasserneubildung über die belebten Oberbodenschichten versickern oder von den Grünflächen verdunsten. Dies bedeutet ökologisch, vegetationstechnisch und mikroklimatisch eine absolut nachhaltige Nutzung.
Das Befahren der Fläche wird durch entsprechende Barrieren, wie zum Beispiel Poller und verlegte Baumstämme an allen Zufahrten zuverlässig verhindert und ermöglicht so eine ungestörte fußläufige Erlebbarkeit der parkartigen Strukturen sowie eine ungestörte Entwicklung der Magerrasenflächen.

Es erfolgt keine Einzäunung des Planungsgebiets und so ist die Fläche ein für die Bevölkerung frei zugänglicher Erholungsraum. Hierzu stehen wir als Planungsbüro im engen Austausch mit dem dort tätigen Erholungsflächenverein und dem Bund Naturschutz.

Das Konzept dieser Temporären Stellplatzanlagen wird aktuell durch die Messe München und die umliegenden Gemeinden stetig weiterverfolgt und findet in der Bevölkerung große Zustimmung.


Übersichtsplan der räumlichen Lage der im Vorgang beschriebenen Ökologischen Stellplatzanlagen © Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard, mahl.gebhard.konzepte, 2016


Lageplan der Stellplatzanlage Mitterfeld. Südlich die Autobahn A94 mit direkter Anbindung an das Messegelände © Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard, mahl.gebhard.konzepte, 2015


Stellplatzanlage Mitterfeld: Foto mit Blick Richtung Süden über die blühende Stellplatzfläche auf den bepflanzten Lärmschutzwall zur A94 © Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard, mahl.gebhard.konzepte, 2014


Lageplan der Stellplatzanlage Aschheim Süd. Südlich vorgelagert die Parkplatzanlage des Heimstettener See's. Nördlich die Anbindung an die A99 und die Umgehungsstraße zum Messegelände © Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard, mahl.gebhard.konzepte, 2014


Stellplatzanlage Aschheim: Foto mit Blick über die Magerrasenfläche unmittelbar nach der Nutzung zur Bauma 2016 © Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard, mahl.gebhard.konzepte, 2016


Lageplan der Stellplatzanlage Feldkirchen. Nördlich die Anbindung an die A94 mit der Anschlusstelle Feldkirchen Ost © Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard, mahl.gebhard.konzepte, 2014


Stellplatzanlage Feldkirchen: Foto mit Blick in Richtung Osten zwischen die keilartig angelegten Bauminseln © Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard, mahl.gebhard.konzepte, 2014


Verschiedene Fotos der drei beschriebenen ökologischen Stellplatzanlagen © Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard, mahl.gebhard.konzepte, 2014


Entwurfsverfasser
Andrea Gebhard, mahl.gebhard.konzepte Landschaftsarchitekten BDLA Stadtplaner Partnerschaftsgesellschaft mbB

Mitarbeiter
M.Sc. Rüdiger Schätzler


Fachplaner / Bauleitung
M.Sc. Rüdiger Schätzler

am Bau beteiligte Firmen
Fa. Saule, Fa. Schulz, Fa. May


Auftraggeber | Bauherr
Messe München GmbH

Bearbeitungszeitraum
2007-2014

Planungs- / Baukosten