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Hambacher Schloss

Neustadt an der Weinstraße

Die landschaftsarchitektonische Aufgabenstellung für das neue Entrée des Hambacher Schlosses ist vielschichtig: barrierefreie Erschließung der Anlage, Plätze, Gassen und Schildmauern, kontrollierte Zugangssituation, touristische Vermarktungsmöglichkeiten mit einem Restaurantneubau und die Vision eines Gesamtkunstwerks im Schlosspark.
Die einzelnen Eingriffe, die an unterschiedlichen Orten vorgenommen werden, reagieren zwar spezifisch auf die jeweilige Situation, aber immer unter der Prämisse, die historische Substanz der Schlossanlage deutlich zu machen, indem die historischen Bauschichten unverstellt und ablesbar bleiben.

Das Hambacher Schloss wurde 1832 zur „Wiege der deutschen Demokratie“ (Theodor Heuß) und zur Demonstration für nationale Einheit und Freiheit. Heute ist das Hambacher Schloss Veranstaltungsort für Ausstellungen, verschiedenartige Konzerte, Vorträge, Tagungen und vieles mehr.
Die Schlossanlage selbst und der Schlossberg definieren sich über ihre geschichtliche Bedeutung und ihre naturräumliche Lage im Biosphärenreservat. Die exponierte topographische Lage des Schlosses auf dem Felssporn einer Buntsandsteinformation und die Bedeutung des Areals als Baudenkmal und Geburtsort der Deutschen Demokratie erfordern eine ganzheitliche Betrachtung des Genius Loci.

Im Rahmen eines internationalen Wettbewerbsverfahrens wurde LOMA für die Umgestaltung der Außenanlagen ausgewählt: insbesondere die entwurfliche Definition und Verbindung der Entréesituation mit den verschiedenen topographischen Ebenen und Plateaus gab den Ausschlag für den Erfolg des Entwurfes. Im Verlauf der Planungen wurde die Arbeitsgemeinschaft LOMA / RBL gegründet, um in allen Leistungsphasen eine qualitative Umsetzung des komplexen Projekts mit hoher Detailgenauigkeit und technischem Anspruch zu gewährleisten. Das Gesamtprojekt wurde bauabschnittsweise realisiert.
Wichtiger Aspekt der Planungsmaßnahmen war der Umgang mit den vorgefundenen Zeitschichten und das „Lesbarmachen der historisch unterschiedlichen, steinernen Bauteile. Die Burganlage stellt ein über die Jahrhunderte gewachsenes Gesamtkunstwerk aus Stein dar. Um diese „Erfolgsgeschichte“ weiterzuschreiben, war eine Ausführung möglichst vieler Bauteile in Naturstein anzustreben: Naturstein in Eleganz und Präzision auf der Ebene des Panoramaplatzes, Naturstein in seiner Rauheit und Ursprünglichkeit im mittleren Ruinenweg sowie Naturstein in gebrochener Körnung auf dem historischen „Freiheitspfad“ durch den Schlosspark. Alle verwendeten Natursteine wurden zwingend aus Rheinland-Pfalz - und möglichst vor Ort bezogen.

Der neue PANORAMAPLATZ bildet das Zentrum und den oberen Abschluss der Anlage. In südlicher und westlicher Richtung eröffnet sich durch die Setzung der steinernen Außenkanten ein grandioser Panoramablick über die Weite der Rheinebene.
Eine großzügige Rampenanlage leitet barrierefrei auf die zweite Ebene der Restaurantterrasse hinab. Die ruhige Stringenz des „Steinernen Parketts“ bindet die Natursteinoberflächen und Formen des groben anstehenden Fels, die raue mittelalterliche Schildmauer, das wuchtige Buckelquadermauerwerk des 19. Jahrhunderts und die Fassade des Neubaus zusammen. Die Lage des historischen Voitschen Vorbaus wurde subtil in das Natursteinparkett eingearbeitet.
Der RUINENWEG verbindet die Ruinenbauteile (Wachtürme, ehemalige Stallungen und Kelterhaus) entlang der äußeren Ringmauer und setzt diese in Vergessenheit geratenen Relikte in Wert durch den „Steinernen Teppich“. Der Raum wird durch die Schichtung der verschiedenen Belagsbänder erweitert, die gebogene Schildmauer wird in ihrer Schwingung optisch betont und dynamisiert. Materialwahl und der Entwurf arbeiten mit dem Leitbild der Natursteinverwendung in archaischer und traditioneller Technik im historischen Kontext und bilden einen Gegenpol zur Präzision des „Steinernen Parketts“.


Entréeplatz mit Entréegebäude © Nikolai Benner, 2015


Der Ruinenweg verbindet die Ruinenbauteile (Wachtürme, ehemalige Stallungen und Kelterhaus) entlang der äußeren Ringmauer und setzt diese in Vergessenheit geratenen Relikte in Wert. © Nikolai Benner, 2015


Im Schlosspark sind Ruinen in den Belag eingeschrieben, hier ehemalige Stallungen. © Nikolai Benner, 2015


Panoramaterrasse mit Blick in die Rheinebene © Nikolai Benner, 2015


Entrée am Voitschen Vorbau. © Nikolai Benner, 2015


Besucherterrasse mit Blick in den Haardtwald. © Nikolai Benner, 2015


Im neuen Belag wurde die historische Planung des Voitschen Vorbaus bezeichnet © Nikolai Benner, 2015


Inszenierung bei Nacht des Gesamtensembles. © Nikolai Benner, 2015


Der „Steinerne Teppich“ besteht aus drei sichelförmig ineinander verwobenen Natursteinbändern in unterschiedlichen Materialen und Körnungen © Nikolai Benner, 2015


Lageplan © LOMA / RBL, 2015


Entwurfsverfasser
LOMA architecture.landscape.urbanism

Mitarbeiter
Wolfgang Schück
Petra Brunnhofer
Ilija Vukorep
Hanna Stiller
Sabrina Campe

RIEHL BAUERMANN Landschaftsarchitekten

Mitarbeiter
Ernst Bauermann
Prof. Wigbert Riehl
Alexander Gössel
Matthias Dümer
Anja Ludwigs


Fachplaner / Bauleitung
Architektur: Dudler Architekten, Berlin

am Bau beteiligte Firmen
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Auftraggeber | Bauherr
Stiftung Hambacher Schloss

Bearbeitungszeitraum
2007-2016

Planungs- / Baukosten
4,4 Mio. Euro