Bitte warten Sie.
Ihre Datei wird zum Server gesendet.


Alte Mitte - Neue Liebe? - Stadtdebatte Berliner Mitte

Berlin

Die Berliner Mitte - der Raum zwischen Fernsehturm und Spree - ist einer der letzten prominenten Freiräume der Innenstadt, dessen Nutzung und Gestaltung noch nicht festgeschrieben wurde. Jahrzehntelang lähmte die Fachwelt ein festgefahrener Konflikt zur Frage der Gestaltung des historischen Geburtsorts Berlins. Daher haben unter dem Motto "Alte Mitte - Neue Liebe?" Bürger und Fachexperten 2015/16 in Berlins größtem und innovativsten Partizipationsprozess ein Jahr über Bedeutung und zukünftige Nutzungen des Ortes diskutiert. Als Ergebnis stehen 10 Bürgerleitlinien , die im Juni 2016 einstimmig vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen wurden und einmalig für die Mitte einer europäischen Hauptstadt sind.

NEUE LIEBE FÜR DIE BERLINER MITTE!
Seit der Wende wurde in der Berliner Fachwelt heftig gestritten, wie die historische Mitte gestaltet werden soll – bisher ergebnislos. Wo ehemals enge Gassen und Fachwerkhäuser das Stadtbild prägten, führten die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und die Planungen der DDR-Moderne schließlich zu einer großen gestalteten Freifläche. Die „Leere“ ist geprägt durch zentrale Wahrzeichen wie den Neptunbrunnen oder die Marienkirche, Statuen von Marx und Engels, Wasserspiele unter dem Fernsehturm und im Jahre 2015 durch die dominierende Baustelle für die neue U-Bahnlinie 5. Jahrelang stand die scheinbar unlösbare Frage im Raum: Soll die Fläche wieder bebaut oder als Freifläche erhalten werden? Wie die Berliner Bevölkerung tatsächlich zur Berliner Mitte steht, war unklar. Denn was ist die Mitte heute für die Berlinerinnen und Berliner? Deshalb beauftragte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt die Berliner Agentur Zebralog, einen öffentlichen, innovativen und crossmedialen Beteiligungsprozess umzusetzen.

EIN ORT FÜR ALLE
Als Ergebnis von "Alte Mitte - Neue Liebe?" haben Bürgerinnen und Bürger 2015 zehn Leitlinien zur Zukunft des Freiraums zwischen Fernsehturm und Spree erarbeitet. Die Inhalte lesen sich fast revolutionär: Berlins Gründungskern soll ein nicht-kommerzieller Ort für Alle sein, als „Grüne Oase“ zum Verweilen, zu künstlerischer, kultureller und politischer Betätigung einladen. Die Mitte soll verkehrsberuhigt, die Sichtachsen erhalten bleiben. Die zukunftsweisende Bürgerbeteiligung zeigt somit Wege zu einem urbanen Freiraum neuer Qualität. Wie konnte das gelingen?

In der Stadtdebatte wurden keine vorgefertigten Pläne und Entwürfe abgestimmt. Diese Ergebnisoffenheit wurde von Senatsbaudirektorin Lüscher und Senator Geisel von Beginn an gesetzt. Auf Grundlage dessen, was der Ort heute für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet, wurde erarbeitet, was der Stadtöffentlichkeit für diesen Ort wichtig ist. Nach einem Dreivierteljahr intensiver Diskussion gibt es nun eine gemeinsame Vision für die Berliner Mitte.

EXPERIMENT BETEILIGUNG GELUNGEN
Den Verantwortlichen war klar: Wenn ein Bürgerbeteiligungsverfahren zum Freiraum in der Stadtmitte Erfolg haben soll, müssen neue Maßstäbe in puncto Bürgerbeteiligung gesetzt werden. Um von Beginn an wichtige Akteure einzubinden, wurde ein namhaft besetztes Kuratorium berufen. Persönlichkeiten aus Fach- und Stadtöffentlichkeit haben den Prozess intensiv begleitet. Zudem waren die stadtentwicklungspolitischen Sprecher aller fünf Berliner Abgeordnetenhausfraktionen beteiligt. Zur Unterstützung des Beteiligungsverfahrens unterzeichneten sie öffentlich ein Dialogversprechen.

Neben einer breiten Palette klassischer Formen der Beteiligung wie Bürgerwerkstätten und Fachkolloquien wurden auch innovative und ungewöhnliche Formate wie „Partizipatives Theater“, „Townhall Meetings“, „Lebendige Bibliotheken“ und thematische Erkundungen eingesetzt. Der Fahrplan war ambitioniert: In über 20 Dialogveranstaltungen konnten sich von Februar bis November 2015 alle einbringen: Passanten, Anwohnerschaft und Jugendliche vor Ort sowie die interessierte Fach- und Stadtöffentlichkeit. Zugleich wurde das Projekt öffentlichkeitswirksam bekannt gemacht, durch eine Open-Air-Ausstellung, stadtweite Plakatierungen, eingen eigenen Twitter-Kanal (@berlinermitte) und hohe Medienaufmerksamkeit. Beteiligung, Kommunikation und Planung verschmolzen so zu einem runden, großen Ganzen.


Auftakt Berliner Mitte im bcc © Jörg Farys / Die Projektoren, Zebralog, 2015


Stadtentwicklungspolitische Sprecher*innen unterzeichnen das "Dialogversprechen" © Jörg Farys / Die Projektoren, Zebralog, 2015


Erkundung im Raum | hier: Perspektiven eines Obdachlosen auf die Berliner Mitte © Jörg Farys / Die Projektoren, Zebralog, 2015


Bürger im Gespräch bei der Bürgerwerkstatt © Jörg Farys / Die Projektoren, Zebralog, 2015


Schauspieler "Fischer" | Partizipatives Theater im Rahmen der Stadtdebatte © Andreas Kermann, Zebralog, 2015


Partizipatives Theater: Parade mit Forderungen für die Zukunft der Berliner Mitte © Andreas Kermann, Zebralog, 2015


Eine Bürgerin erklärt ihr Nutzungsprogramm für die Berliner Mitte © Jörg Farys / Die Projektoren, Zebralog, 2015


Teilnehmende geben Feedback zu den Bürgerleitlinien © Jörg Farys / Die Projektoren, Zebralog, 2015


Berliner Mitte temporär genutzt | Marienkirche © Tal Peled, 2015


Ablaufgrafik: So lief die Stadtdebatte Berliner Mitte ab © Sabine Soeder, Zebralog, 2015


Entwurfsverfasser
Zebralog in Zusammenarbeit mit

Architekturvermittlung Veronika Brugger mit Stephan Kurr, freier Künstler und Philipp Wehage, DMSW Architekten

Grotest Maru & Institut für Partizipatives Gestalten (IPG)

Mitarbeiter
Zebralog (Geschäftsstelle Berliner Mitte, Gesamtkonzeption, Meilensteinformate Auftakt, Halbzeitforum, Abschlussforum, Online-Dialoge und Online-Umfrage, Redaktion der Thesen zur Halbzeit und der 10 Bürgerleitlinien, Begleitung des Kuratoriums Berliner Mitte und der Dialogbotschafter*innen):


  • Geschäftsführung und Projektberatung: Daniela Riedel
  • Projektleitung: Maria Brückner
  • Mitarbeit: Franziska Thiele, Jan Korte, Kristoff Küpper, Jana Gähler, Christina Rucker, Julia Fielitz


Architekturvermittelung Veronika Brugger mit Stephan Kurr, freier Künstler und Philipp Wehage, DMSW Architekten
(Open-Air-Ausstellung sowie wissenschaftlich und künstlerisch angeleitete Erkundungen)
Veronika Brugger, Stephan Kurr, Philipp Wehage

Grotest Maru
("Berliner Luft" – Partizipatives Theater im Stadtraum)
Ursula Maria Berzborn

Institut für Partizipatives Gestalten (IPG)
(Fachkolloquien + Bürgerwerkstätten)
Dipl.-Ing. Landschaftsarchitektin Sonja Hörster und Jascha Rohr, M.A.


Fachplaner / Bauleitung
Da hier noch keine fachplanerische Ausführung erfolgt ist, sondern in einem partizipativen Prozess ein Leitbild für den Raum zwischen Fernsehturm und Spree entwickelt wurde, entfällt diese Angabe.

am Bau beteiligte Firmen
- - -


Auftraggeber | Bauherr
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
(ab 2017: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen)
Abteilung II - Städtebau und Projekte
Abteilungsleiter Manfred Kühne

Bearbeitungszeitraum
Februar 2015 - Juni 2016

Planungs- / Baukosten
~500.000 € (Bürgerdialog)